Arthur C. Clarke / Stephen Baxter: Die Zeit-Odyssee
2. Jan 2008 von drwatson32
Der vergebliche Versuch, einen Klassiker noch einmal zu schreiben

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Als die Besatzung der Raumfähre Sojus sich auf den Wiedereintritt vorbereitet, verliert sie auf einmal den Funkkontakt sowohl zur Basis als auch zur Raumstation Mir. Nach einer gefahrvollen Landung auf der Erde finden sich die Insassen unter den Mongolen Dschingis Khans wieder …
Ein Erkundungsteam der UN-Truppen in Afghanistan wird mit dem Hubschrauber abgeschossen – und landet im britisch besetzten Jamrud unter einer Truppe aus dem 19. Jahrhundert, welche soeben einen Vormenschen eingefangen hat.
Mit der Zeit schält sich heraus, dass eine unbegreifliche Macht das Raum-Zeit-Kontinuum zersplittert hat und der Planet Erde nun aus verschiedenen Regionen zusammengesetzt ist, welche alle aus unterschiedlichen Zeitaltern der Menschheitsgeschichte stammen, von den Vormenschen über das klassische Altertum bis hin zu unserer nahen Zukunft. Beunruhigenderweise finden sich keine Splitter aus einer Zeit nach dem Jahr 2037. Dafür beziehen die beiden bedeutendsten Heerführer der Geschichte gegeneinander Stellung: Dschingis Khan und Alexander der Große…
Was wie eine ziemlich krude Mischung aus absurden Themen klingt, ist in Wirklichkeit – genau das: eine krude Mischung. Auch wenn sich das Buch thematisch lose an Clarkes Klassiker “2001 – Odyssee im Weltraum” anlehnt (auf Englisch liegen die Titel noch enger beieinander), kann es doch nicht im entferntesten mit diesem mithalten. Die Idee, Personen aus verschiedenen Abschnitten der Menschheitsgeschichte zusammenzubringen, ist ja ganz nett, wenn auch nicht gerade neu – siehe z.B. Philip Jose Farmers “Flußwelt”-Zyklus. Wenn aber das einzige Spannungselement daraus besteht, den “guten” Heerführer (Alexander) gegen den “bösen” (Dschingis Khan) marschieren zu lassen und diesen jeweils einige eher mehr als minder klischeehaft besetzte “moderne” Ratgeber zur Seite zu stellen, bin ich doch enttäuscht. Und die Umsetzung ist nicht einmal besonders gut gelungen. Die Personen bleiben flach und unglaubwürdig, die Motivation ist unklar, die “bösen” Mongolen sind schlichtweg primitiv und brutal, und die persönlichen Konflikte der Protagonisten werden immer dann mal wieder hervorgekramt, wenn gerade sonst nichts interessantes los ist. Und was die außerirdische Macht angeht, welche das alles eingerichtet hat, so ist meiner Meinung nach der Ersatz einer Erklärung durch den hier gebotenen Mystizismus bestenfalls eine Entschuldigung dafür, dass den Autoren selbst nichts besseres eingefallen ist.
Das war in “2001″ noch anders. Auch wenn man dort nicht alles durchschaut hat bzw. eine endgültige Erklärung nicht geliefert wurde, so baute sich doch im Laufe des Buches das Gefühl auf, dass die Geschehnisse einer eigenen Logik folgten und dass man noch dahinter kommen würde, wenn die Story weiterginge. Hier dagegen rutscht das Unbegreifliche zur Beliebigkeit ab – wenn nichts verstanden werden kann, dann ist halt alles möglich und soll ohne roten Faden hingenommen werden.
Das hätte ich von so renommierten Autoren nicht erwartet. Schade um die beim Lesen verlorene Zeit.

