Bill Bryson: Eine kurze Geschichte von fast allem
2. Feb 2008 von drwatson32
Rundumschlag durch die Naturwissenschaften für Normalverbraucher

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Seit Stephen Hawkings “Eine kurze Geschichte der Zeit” muss anscheinend jedes populärwissenschaftliche Buch den Titel “Eine kurze Geschichte von….” tragen….?
Bill Bryson fand als Kind die Naturwissenschaften in der Schule eigentlich schrecklich (wenn man seine Kommentare interpretiert). Dabei gibt es so viele spannende Fragen…. Wie schwer ist eigentlich die Erde? Und wie, verflixt nochmal, kann man die Erde wiegen ??? Aber die Schulbücher gaben keine Antwort – oder sie war zwischen allerlei unverständlichen Fachbegriffen versteckt, so dass man die interessanten Dinge nicht finden konnte. Also hat er irgendwann beschlossen, dass er diese Fragen selbst beantworten muss – oder zumindest die vorhandenen Antworten in eine leichter verdauliche Form bringen muss, die jeder lesen kann, ohne vorher 6 Semester höhere Mathematik oder Altgriechisch, Latein und Paläoanthropologie zu studieren. Dieses Buch ist das Ergebnis.
Brysons Buch schildert in allgemeinverständlichen Worten die Erkenntnisse der Wissenschaft, gegliedert nach der Entstehungsgeschichte des Menschen. Beginnend mit der Kosmologie, dem Urknall und der Hubble-Konstante, über die Entstehung des Sonnensystems und die Entwicklung des Lebens auf der Erde bewegt sich der Text durch nahezu alle Bereiche der modernen Naturwissenschaft. Mit einigen Ausflügen durch die Geologie, die Quantenphysik und das Leben in der Tiefsee landen wir schließlich bei der Evolutionstheorie und der Entwicklung des Homo sapiens.
Das Ziel der Allgemeinverständlichkeit hat Bryson auf jeden Fall erreicht. Man muss keine Angst davor haben, hier mit Formeln und unverständlichen Fachbegriffen überhäuft zu werden – die ersteren gibt es gar nicht, und die letzteren nur sehr spärlich und auch immer gut erläutert. Nett sind auch die begleitenden Geschichten über die Wissenschaftler und Entdecker, die die “trockene” Wissenschaftsgeschichte zu etwas persönlichem machen. Großartige Beschreibungen wissenschaftlicher Theorien darf man allerdings nicht erwarten. Es ist eher eine Darstellung der Wissenschaftsgeschichte. Und hier sehe ich das eigentliche Problem das Buches. An manchen Stellen rutscht es ab in eine Auflistung von Namen und Jahreszahlen, gewürzt mit ein paar Histörchen, die das Ganze lesbar machen sollen. Wer also nach Antworten auf die wirklich tiefen Fragen sucht, wird sie auch hier nicht finden. Zumindest aber bekommt man eine Vorstellung davon, was der Stand der Erkenntnis (ganz allgemein gesprochen) ist. Da fällt es auch nicht so sehr ins Gewicht, dass einzelne Themen nicht ganz korrekt beschrieben sind. Zum Beispiel ist das EPR-Paradoxon – zugegebenermaßen eines der unanschaulichsten Themen der Quantenphysik – weder von seinen Voraussetzungen noch von seinen Aussagen her richtig dargestellt. OK, hier bin ich selbst als Physiker vielleicht vorbelastet…
Aber, wie gesagt, das populärwissenschaftlich orientierte Buch hat auch nicht den Anspruch, als wissenschaftliches Lehrbuch auftreten zu wollen, und daher sollte man solche Detailausrutscher verzeihen. Der Unterhaltungswert hält sich meiner Ansicht nach in Grenzen. Als Vorbereitung z.B. auf die Teilnahme bei Günter Jauch’s “Wer wird Millionär” ist es aber bestens geeignet.


