Boris Akunin: Der Favorit der Zarin
19. Jul 2007 von drwatson32

Dieses Produkt bei
Amazon.de ansehenRussischer Krimi auf zwei Zeitebenen
Nach der Reihe um Erast Fandorin und der Kurzreihe um die Nonne Pelagia (siehe auch “Fandorin” und “Pelagia und der rote Hahn” nun ein Band aus der dritten Buchreihe des russischen Autors Boris Akunin.
Zur Zeit der Zarin Katharina der Großen wird der kleine Mitja als Wunderkind am Zarenhof eingeführt. Anfänglich lässt sich für ihn alles gut an, doch bald wird er in die Intrigen des Hofes hineingezogen. Als er dann einen Giftanschlag auf die Zarin verhindert, wird er selbst Zielscheibe vielfältiger Angriffe. Nur gut, dass er bei seinen Abenteuern einen väterlichen Beschützer findet…
Im modernen Moskau hat Nicholas Fandorin, englischer Baronet und Russe aus Überzeugung, seine eigenen Probleme. Ein Verrückter taucht in seinem Büro auf, der kurz darauf einen unfreiwilligen Flugversuch vom Dach eines Bürohauses unternimmt. Ein undurchsichtiger Kripo-Beamter informiert ihn, dass offenbar eine unbekannte Organisation ein Todesurteil gegen ihn ausgesprochen hat.
“Während” der kleine Mitja auf eine Irrfahrt durch das winterliche Russland geht, seine Verfolger immer auf den Fersen, wird Nicholas in eine undurchsichtige Gangstergeschichte hineingezogen. Der Verrückte hat eine “Todesliste” hinterlassen, auf der auch andere Namen auftauchen – zum Teil bereits abgehakt…. und Unbekannte versuchen ihn recht nachdrücklich, zu einer Autofahrt zu überreden. Irgendwann stellt sich heraus (soviel kann ich verraten, ohne als “Spoiler” gebrandmarkt zu werden), dass es um ein handfestes kriminelles Komplott geht, mit allen Zutaten wie Kindesentführung, Erpressung, Firmenübernahmen etc. sowie einer durchgeknallten Bandenchefin…
Das Konzept ist sehr ungewöhnlich, geht aber gut auf. Die beiden Teilromane werden sozusagen “interleaved” erzählt, d.h. kapitelweise wechselt der Handlungsstrang von der Gegenwart zur Vergangenheit und zurück. Die Handlungen haben keine unmittelbare Verbindung. Gemeinsam sind der Romanen aber die Orte, an denen die Handlung spielt. Außerdem scheint es eine verwandschaftliche Beziehung zwischen Nicholas Fandorin und einer der Hauptpersonen des anderen Teilstrangs zu geben. (Witzigerweise tauchen auch andere Namen auf, die in der Reihe um Erast Fandorin eine Rolle spielen.) Und schließlich ist Nicholas nebenher Programmierer von Computerspielen, und sein neuestes Werk wird ein Adventure sein, welches am Hof der Zarin spielt.
Der historische Erzählstrang ist – wie in den anderen Romanen Akunins auch – sehr farbig gehalten – man ist versucht, von Technicolor zu sprechen
. Aber auch der moderne Strang lässt in dieser Hinsicht nichts zu wünschen übrig. Spannend sind beide Storys allemal – und schließlich kann man sich auf die Suche machen und die versteckten Verbindungen entdecken …


