Boris Akunin: Pelagia und der rote Hahn
23. Jun 2007 von drwatson32
Mystery-Krimi im Rußland der Zarenzeit:
Die Nonne Schwester Pelagia befindet sich in Begleitung des Bischofs Mitrofani auf einer Schiffsreise, als ein Passagier ermordet aufgefunden wird – ausgerechnet der Prophet Manuila soll es sein. Oder handelt es sich nur um einen Doppelgänger? Viele Verdächtige gibt es: christliche und jüdische Sektierer, und auch ganz gewöhnliche Verbrecher. Außerdem befindet sich eine Gruppe heimlicher Homosexueller an Bord, die in Palästina die Stadt Sodom neu gründen wollen. Und auch wenn eine Nonne der Sünde der Neugier entsagen sollte, kann Pelagia doch nicht davon lassen, die Hintergründe aufklären zu wollen.
Als nach einigen Nachforschungen im russichen Hinterwald auf Pelagia ein Giftanschlag verübt wird, sieht der Bischof sich veranlasst, sie aus Sicherheitsgründen auf eine Reise zu schicken. Pelagia fädelt eine Pilgerfahrt ins Heilige Land ein, wohl wissend, dass die meisten der Schiffsreisenden ebenfalls dorthin unterwegs waren. Und auch der echte Prophet Manuila soll sich dort aufhalten. Ist dieser nun ein Scharlatan oder doch, sagen wir, ein besonderer Mensch? Eine verdächtige Gestalt heftet sich an ihre Spur …
Parallel dazu versuchen Bischof Mitrofani und Staatsanwalt Berditschewski, den Drahtziehern in Rußland auf die Spur zu kommen. Antijüdische Gruppierungen und homophile (oder sagen wir lieber, misogyne) Cliquen haben ihre Finger im Spiel. Die Verschwörung scheint sich bis in allerhöchste Kreise zu ziehen…
Stilistisch ist dieser dritte (und letzte) Roman der Mini-Serie um Schwester Pelagia der Reihe um Erast Fandorin sehr ähnlich. Sehr farbig und stilistisch treffend wird das Rußland des 19. Jahrhunderts gezeichnet. Sektierer, Geheimbünde und Verschwörungen prägen das Bild; dazu allerhand Figuren, die man in einem Roman Dostojewskis erwarten würde. Im Gegensatz zu seinen anderen Romanen verwendet Akunin hier allerdings auch einige mystische Elemente, die der Spannung übrigens keinen Abbruch tun.
Trotzdem habe ich z.B. den ersten Roman der Serie (“Pelagia und die weißen Hunde”) lieber gelesen. Die mystischen Elemente gehören zwar unverzichtbar in den Ablauf, führen aber dazu, dass am Ende etliche Fragen ungeklärt bleiben. Und das liegt mir nicht so….
Wer sich daran nicht stört (das ist nunmal Geschmackssache), der findet hier einen stilsicheren und spannenden historischen Krimi vor, der gut ins Urlaubsgepäck passt und Appetit auf mehr vom gleichen Autor macht. Zum Glück gibt es noch die Reihe um Erast Fandorin (siehe dazu auch den Buchtipp “Fandorin”), über deren Bände noch zu berichten sein wird. Außerdem liegt der Band “Der Favorit der Zarin” in meinem Bücherregal und wartet darauf, gelesen zu werden. Jenes Buch verbindet das “alte” und das moderne Rußland miteinander. Hauptperson ist Nicholas Fandorin, Nachfahre des Erast Fandorin… ich bin gespannt.


[...] um Schwester Pelagia ist dieser Band hier eindeutig der beste (siehe hierzu auch den Artikel zu “Schwester Pelagia und der rote Hahn”) – obwohl auch die anderen Bücher ein Genuß sind, merkt man doch dort, dass die Grundidee [...]