Boris Akunin: Pelagia und die weißen Hunde
28. Jul 2007 von drwatson32
Historischer Krimi aus Russland

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In diesem ersten Band der dreiteiligen, irgendwann im 19. Jahrhundert spielenden Mini-Serie um die neugierige Ordensschwester Pelagia lernen wir das Städtchen Sawolshsk kennen, mit dem geistlichen Oberhaupt, Bischof Mitrofani und den weltlichen Vertretern der Obrigkeit, dem Gouverneur Anton von Gaggenau und dem Vertreter der Staatsanwaltschaft, Matwej Benzionowistsch Berditschweski.
Das beschauliche Städtchen wird in Aufruhr versetzt durch die Umtriebe eines Neuankömmlings, des Synodalinspektors Bubenzow, und seiner Diener, dem Sekretär Tichon Selig und dem Kutscher und Leibwächter Murad Dschurajew. Allerlei unschöne Gerüchte ranken sich um die Gestalt Bubenzows, und sein Erfolg bei den Damen der Gesellschaft führt zu ernsten Spannungen. Doch Bubenzow scheint vor allem und über allem seine Karriere im Sinn zu haben.
Da ereilt den Bischof ein Hilferuf von seiner reichen Tante, die einen großen Gutshof in der Nähe der Stadt besitzt. Irgendjemand hat ihrem Liebling, der weißen Bulldogge Saguljai, Gift verabreicht. Die Dame fürchtet nun um ihr eigenes Leben. Zur Beruhigung schickt der Bischof Schwester Pelagia auf das Gut. Offenbar hat diese in der Vergangenheit bereits ihr kriminalistisches Talent bewiesen.
Doch auch andere Dinge ereignen sich: in den umliegenden Wäldern werden zwei ermordete Unbekannte aufgefunden. Bubenzow nutzt dies für eine umfassende Kampagne gegen die “altgläubigen” Heiden, die noch in den Wäldern hausen, und damit indirekt gegen den Bischof. Auf den Gut der Tante lebt aber eine Gesellschaft, die direkt auf Dostojewskis “Dämonen” entsprungen sein könnte: ihr Enkel ist von “revolutionären Ideen” verdorben, seine Schwester versauert in der Provinz, der Gutsverwalter ist offenbar unglücklich verliebt, und auch der Synodalinspektor Bubenzow hat schon seine Intrigen gesponnen.
Da wird auch die zweite Dogge, Sakidai, erschlagen. Die dritte und letzte ist nun alles, was die Tante noch im Leben gelten lässt. Geht es etwa um Erbschleicherei und darum die Tante auf besonders heimtückische Weise zu ermorden? Oder stecken ganz andere Pläne dahinter?
Aus Boris Akunins Reihe um Schwester Pelagia ist dieser Band hier eindeutig der beste (siehe hierzu auch den Artikel zu “Schwester Pelagia und der rote Hahn”) – obwohl auch die anderen Bücher ein Genuß sind, merkt man doch dort, dass die Grundidee sich etwas abgenutzt hat. Aber hier ist sie noch frisch, die Figuren wie aus einem russischen Klassiker und die Sawoshlsker Gesellschaft so farbig beschrieben, dass man direkt einen Film daraus machen möchte.
Boris Akunin ist das Pseudonym des russischen Japanologen und Schriftstellers Grigori Schalwowitsch Tschchartischwili. Seine Bücher – die Reihe um Erast Fandorin (siehe “Fandorin”, die Reihe um Schwester Pelagia und die Reihe um Nicholas Fandorin (“Der Favorit der Zarin”) – haben alle historischen Bezug auf das Russland des 19. oder 18. Jahrhunderts. In Russland ist er einer der bekanntesten Krimiautoren überhaupt. Für Liebhaber historischer Krimis ist der Band “Schwester Pelagia und die weißen Hunde” ein absolutes Muss!

