Buchtipp: Andreas Eschbach: Ausgebrannt
18. Dez 2008 von drwatson32
Öko-Thriller

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Markus Westermann ist endlich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten angekommen. Als echter USA-Fan will er aus seinem Zeitvertrag bei einer Software-Firma unbedingt etwas herausholen – er sieht ihn förmlich vor sich, den Büroturm mit der Aufschrift “Westermann Tower”. Leider klappt nicht alles so, wie er sich das vorstellt. Und als er auf der Rückreise den Österreicher Karl Walter Block kennenlernt, der von sich behauptet, die Lösung aller Energieprobleme zu kennen, sieht er seine Chance gekommen. Block weiß nämlich, wo sich Erdöl finden lässt…
Die beiden tun sich zusammen, treiben Venture Capital auf, gründen eine Firma. Und als die ersten Probebohrungen erfolgreich sind, scheinen sie gemachte Männer zu sein. Doch dann gehen mehrere Dinge gleichzeitig schief.
Block verschwindet, bevor er seine Methode dokumentieren und vervollkommnen kann. Wurde er von der mächtigen Konkurrenz entführt? Oder ist er doch nur ein Scharlatan? Eine Probebohrung in Saudi-Arabien bringt keine Ergebnisse. Und plötzlich werden alle sehr nervös. Denn eines der größten Ölfelder der Welt liefert von heute auf morgen keinen Ertrag mehr. Und als ein terroristischer Anschlag eine zentrale Pipeline zerstört, bricht der weltumspannende Markt für das Öl von heute auf morgen zusammen. Erst da wird allen klar, wie sehr wir von diesem einzigartigen Rohstoff abhängig sind. Und unsere Welt wird nie wieder die gleiche sein wie zuvor.
Andres Eschbach, der auch schon andere sehr erfolgreicher Thriller wie “Das Jesus-Video”oder “Eine Billion Dollar” veröffentlicht hat, hat hier ein äußerst spannendes und erschreckend realistisches Endzeit-Szenario entworfen. In zahlreichen Rückblicken in die nähere und fernere Vergangenheit entsteht das Bild einer vollständig von dem “schwarzen Gold” abhängigen Weltwirtschaft. Ob die internationale Erdöl-Wirtschaft tatsächlich so entstanden ist wie beschrieben? Das werden wir wohl nie erfahren. Glaubhaft geschrieben ist es auf jeden Fall. Und der zunächst etwas unsympathische Karriereplaner Markus wird nach und nach zur Identifikationsfigur, während man die unerwartete Verstrickung seiner Familie in die historischen Hintergründe der Krise erfährt. Doch nach allen Verstrickungen soll er es am Ende doch noch schaffen – ganz unerwartet und ganz anders, als er es sich vorstellt, wird der “Westermann Tower” zum Symbol für die neue Zeit…
Normalerweise bereiten Endzeit-Thriller mir keine schlaflosen Nächte. Aber nach der Lektüre dieses Romans habe ich doch wach gelegen und über LED-Beleuchtung, Wärmepumpen und selbst angebautes Gemüse nachgedacht. Ein schöner Thriller für die kommenden Ferien.

