Buchtipp: Eoin Colfer: Artemis Fowl
30. Jan 2008 von drwatson32
Fantasy mal anders….!

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Artemis Fowl hat einen Plan. Er wird das verlorene Vermögen seiner Familie wieder ersetzen. Schließlich hat sie eine Tradition in der Geschichte des internationalen Verbrechens, die erst unterbrochen wurde, als sein Vater beim Versuch, den russischen Markt für westliche Konsumgüter aufzurollen, Schiffbruch erlitten hat (das ist wörtlich zu nehmen). Artemis’ Genie hat auch schon die Quelle seines neu zu erwerbenden Reichtums ausgemacht: das Gold der Unterirdischen. Zu deutsch: er will das Gold aus dem Geiselnahme-Fonds der Alraunen, eine Tonne davon, in kleinen unmarkierten Barren. Wie bitte? Es gibt keine Alraunen? Oh doch! Sie sind die Elite-Einheit der unterirdischen Polizei, unterstützt von einer futuristischen Technologie, die es den Unterirdischen ermöglicht hat, sich schon seit Jahrhunderten erfolgreich vor den Menschen zu verbergen. Artemis hat alles vorausgeplant. Mit Hilfe von Butler, seinem -ähem, Butler – schafft er es tatsächlich, Holly, ein Mitglied dieser Truppe, in seine Gewalt zu bringen. Nicht schlecht für einen Zwölfjährigen. Doch damit fangen die Probleme erst an…
Commander Root, der unterirdische Polizeichef, und Captain Holly beschließen nämlich, nicht mehr nach den Regeln zu spielen. Hat Artemis das alles vorausplanen können? Und was bedeuten die Machtkämpfe in der Hierarchie der Alraunen für unseren Helden?
Ich habe dieses Buch schon vor ein paar Jahren gelesen – damals im englischen Original – und war sofort begeistert. Auch mein älterer Sohn mit seinen 10 Jahren hat dieses Buch und die beiden Folgebände (“Die Verschwörung” und “Der Geheimcode”) mit Begeisterung verschlungen. Artemis Fowl, die Hauptfigur, ist ein herrlich zwiespältiger Charakter. Einerseits eiskalt, verbrecherisch und berechnend, hat er doch ein gut funktionierendes Gespür für “das Richtige” – auch wenn er seine menschenfreundlichen Aktionen immer gut mit geschäftlichen Argumenten zu tarnen weiß. Als hyperintelligenter Planer ist er seinen Gegenspielern immer einen Schritt voraus – wirklich immer? Sein Leibwächter Butler als “großer Bruder” einerseits und waffenvernarrter Kampfsport-Gorilla andererseits ist mindestens genauso mitreißend. Holly, die Elfe mit dem Emanzipationsproblem (schließlich ist sie die erste Frau in der Eliteeinheit und hat ganz ordentlich gegen Vorurteile zu kämpfen) und ihr cholerischer Chef Root bilden den Gegenpol dazu. Auch die weiteren Nebenrollen sind herrlich und überzeugend beschrieben: Mulch, der kleptomanische Zwerg, Foaly, der paranoide – aber geniale – Zentaur, Juliet, Butlers kleine Schwester mit dem Wrestling-Tick, ….
Der Schreibstil vereint Stereotypen des Techno-Thrillers mit denen der Fantasy auf eine mir zumindest völlig neue Art und Weise. Dabei kommen weder die Spannung noch der Humor zu kurz.
Wie schon gesagt, ist die Reihe bei entsprechender Leseerfahrung auch schon ab ca. 10 Jahren geeignet. Ein echter Leckerbissen. Die Reihe besteht derzeit aus insgesamt 5 Bänden. “Artemis Fowl” ist der erste und in sich abgeschlossen. Das sind die Folgebände zwar auch, zum Verständnis empfiehlt es sich aber auf jeden Fall, die Bände in der richtigen Reihenfolge zu lesen, da die auftretenden Personen und ihr Verhältnis zueinander dort nicht neu vorgestellt werden.


[...] Artemis Fowl [...]