Frans G. Bengtsson: Die Abenteuer des Röde Orm
20. Apr 2008 von drwatson32
Wikinger-Abenteuer

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Irgendwann vor dem Jahr 1000 lebt Orm als jüngster Sohn eines Wikingers auf dem väterlichen Hof. Obwohl seine Mutter ihn zu Hause halten will, kommt er doch bald unfreiwillig zu seiner ersten Fahrt. Plündernde Nachbarn verschleppen den Jungen, und ehe er sich versieht, nimmt er an einer Langfahrt ins Reich der Franken teil. Diese Fahrt nimmt aber ein schlimmes Ende, und Orm und seine Kameraden landen als Rudersklaven auf einer maurischen Galeere. Welche Abenteuer sie dort erleben und wie sie von dort entkommen, das macht den ersten Teil des Buches aus. Doch Orm soll noch viele Dinge erleben: wie er um die Tochter des Dänenkönigs Harald Blauzahn freite, wie er am Zug der Wikinger nach England teilnahm, und wie er seine eigene Familie gründete und auf seinen Fahrten bis ins Reich der Bulgaren gelangte, davon erzählen der zweite, dritte und vierte Teil.
Bei diesem Buch handelt es sich um eine der schönsten Wikinger-Geschichten, die ich kenne. Immer spannend, oft humorvoll und nie langweilig, gelingt es Bengtsson, die raubeinigen Gesellen vor dem Auge des Lesers lebendig werden zu lassen. Sicher, politisch korrekt ging es zu der Zeit nie zu, und wenn es bei einer Hochzeit nur zu einer Schlägerei und nicht zu einem Duell auf Leben und Tod kam, galt die Feier als kläglich missraten. Aber wäre das nicht so, dann hätte man halt keinen Wikinger-Roman in der Hand ….
Bengtssons Stil ist recht ungewöhnlich und orientiert sich zum Teil an den alten isländischen Sagas. Das steht aber einem flüssigen Lesevergnügen nicht im Wege. Obwohl er seiner Hauptperson immer direkt folgt, wird Orm doch aus der dritten Person dargestellt, und seine Gedanken und Absichten muss der Leser aus dem folgern, was er sagt und tut. Die Sprache ist zwar nicht direkt altertümlich, aber die Redewendungen und Satzstellungen stellen klar, dass es sich um einen Roman aus einem “vergessenen Zeitalter” handelt. Diesen Stil aus dem schwedischen Original zu übertragen, war sicher nicht einfach (siehe dazu den Eintrag bei Wikipedia …) Passend dazu sorgen die rauflustigen, unbekümmerten, manchmal etwas naiven – aber nie dummen! – Hauptdarsteller für viele vergnügliche, ja komische Momente. Übrigens soll die Erzählung sich eng an den historischen Gegebenheiten orientieren.
Wer gerne Abenteuer-Geschichten mag, ist hier bestens bedient. Als Kinderbuch wegen der manchmal drastischen Darstellung nicht so geeignet – obwohl man durchaus bei den Rittern der Tafelrunde vergleichbares findet.

