Frederick Forsyth: Der Afghane
14. Jun 2008 von drwatson32
Thriller

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Bei der Festnahme eines Terroristenführers in Peschawar fällt dem britischen Geheimdienst ein Laptop in die Hände, auf dessen Festplatte sich Dokumente über einen Plan der al-Quaida finden. Die geheimnisvolle Operation trägt den Namen al-Isra, und nur die obersten Ränge des Terrornetzwerkes scheinen die Details zu kennen. Al-Isra ist eine Sure aus dem Koran mit einer Beschreibung der mystischen Reise des Propheten. Doch was dies im Zusammenhang mit einem Terroranschlag bedeuten soll – das kann sich keiner erklären. Der englische und der amerikanische Geheimdienst beschließen, das Unmögliche zu wagen: einen Undercover-Agenten in die höchsten Ränge der al-Quaida einzuschleusen. Nur einer kommt dafür in Frage: Mike Martin, im Irak aufgewachsen, Offizier des SIS und persönlich mit einem in Guantanamo festgehaltenen Afghanen bekannt. Martin wird dessen Rolle übernehmen und versuchen, die Organisation zu infiltrieren. Zunächst scheint alles glatt zu laufen: die fingierte Überstellung an die pakistanischen Behörden, die vorgetäuschte Flucht, der Erstkontakt mit den Terroristen… doch dann bricht der Kontakt zu Martin ab…
Nachdem sich Thriller lange Zeit auf den Ost-West-Konflikt konzentriert haben, war der Zusammenbruch des Ostblocks Anfang der Neunziger für das Genre eine mittelschwere Katastrophe. Thriller leben nun einmal von einem klaren Feindbild und der Aufteilung der Welt und “Gut” und “Böse” (die besseren Exemplare bemerken dann vielleicht, dass diese Aufteilung eine Illusion ist). Manche machten den Drogenhandel als neuen Feind aus (siehe z.B. Tom Clancy’s “Der Schattenkrieg”(Amazon-Link)). Anfang des Jahrtausends war das Problem aber dann gelöst und das neuen Feindbild stand genreweit fest: der internationale Terrorismus. Insofern reiht sich das vorliegende Buch in die Liste der üblichen Thriller ein. Was aber einen gewissen Unterschied ausmacht, ist die Tatsache, dass es sich um ein englisches Buch und nicht um ein amerikanisches handelt. Auch hier wird natürlich aus dem Vollen geschöpft, was die technischen Mittel angeht. Am Ende aber stellt sich heraus, dass die Technik machtlos ist und alles vom persönlichen Einsatz des Agenten abhängt. Auch der Schluss ist nicht so Hollywood-mäßig “Friede, Freude, Eierkuchen”, sondern eher etwas verhaltener. Was man sich vielleicht gewünscht hätte, wäre ein etwas differenzierterer Umgang mit dem Hintergrund der “Bösen” – die sind leider sehr eindimensional. Spannend ist das Buch des Altmeisters Forsyth allemal – man sollte nur im Hinterkopf behalten, dass es sich um eine Geschichte, eine Fiktion handelt, die nicht notwendigerweise die Wirklichkeit richtig und/oder vollständig wiedergibt.

