Iain Banks: Die Sphären
14. Dez 2008 von drwatson32
Science Fiction aus dem “Kultur”-Universum

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Der Planet Sursamen ist eine Schalenwelt: von Jahrmillionen von den inzwischen verschwundenen, nahezu gottgleichen Involucra geschaffen, bildeten die einstmals 4096 Schalenwelten einen Ring um die Galaxis, um einen unbegreiflichen Mechanismus zu formen. Nur noch ein Viertel davon sind übrig, nachdem die gleichfalls verschwundenen Iln es sich zum Ziel gemacht haben, die Schalenwelten zu vernichten – aus genauso unerfindlichen Gründen. Und fragen kann man sie nicht mehr…
Sursamen hat viele bewohnbare Ebenen. Auf der achten Ebene lebt das Volk der Sarl, etwa auf dem technischen Stand des ausgehenden Mittelalters. Deren König hat einen ungewöhnlichen Eroberungsfeldzug hinter sich, als er von seinem engsten Vertrauten tyl Loesp ermordet wird. Der einzige Zeuge ist Prinz Ferbin, der sich versteckt hält und danach die Flucht ergreift. Nur unterstützt von seinem Diener Holse flieht er durch die Ebenen der Welt – und darüber hinaus – um seine Schwester ausfindig zu machen, die einst den Planeten verliess, um in der Abteilung “Besondere Umstände” der Kultur zu arbeiten – eine Art von intergalaktischem Geheimdienst, platt gesprochen. Denn die ist die einzige, die ihn bei dem Versuch, ihren Vater zu rächen, unterstützen könnte.
Der verbleibende, noch minderjährige Prinz Oramen hat keine Ahnung davon, dass tyl Loesp, der sich zum Regenten gemacht hat, noch ganz andere Pläne hat: die Herrschaft über die achte Ebene genügt ihm nicht… Und als auf der neunten Ebene eine uralte Stadt entdeckt wird, setzt er alles daran, sie seinem Reich einzuverleiben und ihre Geheimnisse zu erforschen. Woher weiß tyl Loesp überhaupt, dass es sich lohnt, hier zu suchen? Welche Rolle spielen die Oct, jene überlegene, aber völlig unverständliche Spezies? Und was ist mit ihren Gegenspielern, den von allen gefürchteten und verachteten Aultridia?
Verwirrt über all die verschiedenen Namen, Rassen und Spezies? Das war ich auch. Aber das ist sicher ein stilistisches Mittel. Die Welt, die Banks beschreibt, ist eingebettet in das “Kultur”-Universum, wobei die “Kultur” eine Art von (größtenteils noch menschlicher) galaktischer Zivilisation beschreibt, die technologisch eine Stufe erreicht hat, die sie fast – aber eben noch nicht ganz – gottgleich erscheinen lässt. Die Einflussnahme der verschiedenen Zivilisationsstufen aufeinander hat fast so viele Schichten wie die Schalenwelt selbst – Involucra, die Kultur, die Oct, die Sarl – alle sind auf irgendeiner Ebene Spieler und Spielfiguren in einem.
Banks’ Kultur-Zyklus ist ein sehr anspruchsvolles Science-Fiction-Rahmenwerk, in dem “Die Sphären” der neuste auf Deutsch erschienene unabhängig zu lesende Band ist. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen, die sich leider nicht voll erfüllt haben. Spannend ist es sicherlich. Aber was mich doch gestört hat, ist eine gewisse Beliebigkeit der Handungsentwicklung, die ich von Banks nicht gewöhnt bin. Ich hatte erwartet, dass sich am Ende ein “großer Plan” auftut, der allen bisherigen Aktionen eine tiefere Bedeutung gibt. Den gibt es aber leider nicht. Das Ende ist erschreckend, sogar – meiner Ansicht nach – unnötig brutal, als hätte der Autor nach einem Weg gesucht, die zu lang geratene Story kurz abzuschneiden. Dass übrigens nach den Anhängen zu Namen, Maßen und Begriffen noch ein Epilog folgt, habe ich erst durch Lektüre einer anderen Buchkritik herausgefunden – hätte ich sonst glatt übersehen.
Story gut, Ende verrissen? Stimmt nicht ganz, von diesem Autor hätte ich aber mehr erwartet.

