Isaac Asimov: Die nackte Sonne
7. Jun 2009 von drwatson32
Klassischer Sci-Fi-Krimi

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Als Detective Elijah Baley seinen neuesten Auftrag bekommt, ist er alles andere als begeistert. Nicht nur, dass er seine Familie für unbestimmte Zeit zurücklassen muss, nein, der Auftrag soll ihn auch noch nach Solaria führen, eine dünn besiedelte Spacer-Welt. Für den auf der Erde heimischen Baley besonders unangenehm: auf Solaria leben die Menschen nicht, wie auf der Erde, unter Kuppeln, sondern sind ungeschützt dem Himmel und der Sonne ausgesetzt. Und das verlangt dem Zeit seines Lebens unter dem Dach der Kuppeln lebenden Erdenmenschen einiges ab…
Zum Glück begleitet ihn ein alter Bekannter: R. Daneel Olivaw, mit dem er vor einigen Jahren einen ganz besonderen Fall aufgeklärt hat. Olivaw macht der offene Himmel nichts aus – denn er ist nicht nur ein “Spacer”, also fern der Erde aufgewachsen – er ist ein Roboter! Auch wenn man davon nicht einmal auf den zweiten Blick etwas bemerken würde.
Der Fall an sich gibt den beiden einige Rätsel auf. Einer der exakt 20.000 Einwohner von Solaria wurde ermordet. Aber der einzige Verdächtige hatte keine Tatwaffe. Die absolut unbestechlichen Roboter des Haushaltes können bezeugen, dass sich kein anderer Mensch am Tatort aufgehalten hat. Und ein Roboter ist nach den drei Gesetzen der Robotik nicht in der Lage, einem Menschen Schaden zuzufügen. Ist der Ermordete einer Verschwörung zum Opfer gefallen? Denn die anderen Spacer-Welten fürchten, dass Solarias überlegene Roboter-Produktion sie wirtschaftlich zugrunde richten könnte.
Wer Asimovs Romane um die drei Gesetze der Robotik nicht kennt, der sollte vielleicht zunächst einen anderen Roman aus dieser Reihe lesen. Zur Erinnerung:
- Ein Roboter darf keinen Menschen verletzen oder durch Untätigkeit zu Schaden kommen lassen.
- Ein Roboter muss den Befehlen eines Menschen gehorchen, es sei denn, solche Befehle stehen im Widerspruch zum ersten Gesetz.
- Ein Roboter muss seine eigene Existenz schützen, solange dieser Schutz nicht dem Ersten oder Zweiten Gesetz widerspricht.
Die Auflösung des Krimis ist irgendwo in den durch diese drei Gesetze programmierten Konflikten verborgen.
Das vorliegende Buch ist Teil eine kleinen Reihe um den Detective Elijah Baley und Nachfolger des Romans “Der Mann von drüben” (gemeinsam mit diesem Roman unter dem Titel “Die Stahlhöhlen” erschienen). Asimov-typisch ist es solide Sci-Fi-Kost, mit durchaus ernst zu nehmenden ethischen Fragestellungen und Denkansätzen. Der Krimi an sich ist ein wenig zu theoretisch, als wirkliche Spannung zu bieten. Im Gegensatz dazu sind die soziologischen Entwicklungen, welche Asmimov hier vorwegnimmt, durchaus ernstzunehmen: einerseits die Spacer, welche alle persönlichen Kontakte verabscheuen und nur noch per “Telepräsenz” kommunizieren, dabei alle Tätigkeiten durch Roboter verrichten lassen, und andererseits die Erdenmenschen, welche in einer Massengesellschaft, auf engstem Raum zusammengepfercht, mit minimalem Privatleben auskommen. Beide Entwürfe haben ihre Wurzeln in unseren jetzigen Zeit.
Der recht kurze Roman (ca. 290 Seiten) ist kein Highlight, aber solide Kost. Wer Asimov mag, der wird auch dieses Buch mögen.

