J.&G. Braun: Der Irrtum des großen Zauberers
6. Feb 2010 von drwatson32
Fantastischer Roman ( keine Fantasy!)
Das ferne Land Plikato wird vom großen Zauberer regiert, Multi Multiplikato nennt er sich. Die Bürger sind glücklich, denn die berühmte Plikato-Birne, tägliches Grundnahrungsmittel, enthält große Mengen des Vitamins Gamma, das jene, die es genießen, in den Zustand heiterer Gelassenheit versetzt.
Die Schulen sind nur noch Karikaturen ihrer selbst. Vielleicht ist es das, was den Jungen Oliver Input eines Tages dazu bringt, seine Schulbirne heimlich zu entsorgen. Aus dem Birnentraum erwacht, fängt er an, nicht-konforme Aktivitäten zu entwickeln – er repariert alte Rechenmaschinen und führt die Affen aus dem nahen Urwald in die Schule. Schließlich wird Multiplikato selbst auf ihn aufmerksam. Oliver soll seine Ausbildung in der kybernetischen Akademie vollenden und schließlich dem großen Zauberer als Gehilfe und möglicher Nachfolger zur Seite stehen. Doch Oliver begegnet zwischendurch dem Mädchen Naida, und einen gewissen Widerspruchsgeist hat er sich auf jeden Fall bewahrt…
Was sich auf den ersten Blick wie ein etwas aus den Fugen geratenes Märchen anhört, ist in Wirklichkeit ein sehr spannender und witziger Roman. Johanna und Günter Braun schrieben ihn unter den schwierigen Bedingungen der DDR. Auch wenn irgendwo einmal das Wort Genossenschaft auftaucht – es handelt sich ganz bestimmt nicht um system-konforme Literatur. Im Gegenteil – die zentrale Botschaft ist das Durchsetzen des Lebendigen gegen die Einengung einer zentralen Gewalt. In den 80ern konnten spätere Bücher der Autoren auch nur noch im Westen erscheinen.
Ich habe das Buch etwa im Alter von 15 gelesen und sehr genossen. Das Alter dürfte für die Zielgruppe in etwa hinkommen… und der Inhalt ist zeitlos, sollte also auch heute noch interessant sein. Das Buch wird bei Wikipedia auf der Liste bedeutender Science-Fiction-Autoren geführt.

