Simon Beckett: Die Chemie des Todes
3. Mrz 2009 von drwatson32
Englischer Krimi

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David Hunter ist zwar seit drei Jahren Arzt des kleines englischen Dörfchens Manham, aber akzeptiert haben ihn die Alteingesessenen noch lange nicht. Was ursprünglich ein Vertretungsjob sein sollte, hat sich zur Festanstellung entwickelt – und so ist der ehemalige Forensiker zum Dorfarzt geworden.
Eines Tages entdecken zwei Kinder den Leichnam einer Frau – auch eine “Zugezogene”, flüchtig mit Hunter bekannt. Ein Unfall? Hunter macht eine beunruhigende Entdeckung, alarmiert die Polizei und bringt einiges ins Rollen. Und als einen weitere Frau verschwindet, ist klar: ein Psycho-Killer macht die beschaulich-dörfliche Gegend unsicher…
Der Polizeichef drängt Hunter dazu, eine Rolle in den Ermittlungen zu spielen. Schließlich war er einmal der beste forensische Anthropologe Englands. Doch das scheint Hunter schwer zu fallen. Ein wunder Punkt in seiner Vergangenheit macht es ihm alles andere als leicht, seine alten Fähigkeiten wieder aufleben zu lassen. Und während die Ermittlungen auf der Stelle treten, wird die Atmosphäre des Dorfes zusehends vergiftet – nicht zuletzt durch die Aktivitäten des Pfarrers, der endlich eine Gelegenheit gekommen sieht, seine Schäfchen unter der Fuchtel zu halten. Doch richtig gefährlich wird es erst, als Hunter eine junge Frau kennenlernt… und wie nah er dem Killer gekommen ist, das wird er erst ganz am Ende erfahren.
Auf den ersten blick bedient Beckett in seinem Bestseller gleich drei Klischees: den “englischen Landkrimi”, den Psycho-Thriller und den Arztroman. Das erklärt auch sicher einen großen Teil seines Erfolgs. Das alleine würde aber noch nicht zu einem guten Buch reichen. Dafür sorgen jedoch der flotte Schreibstil, die (meistens) glaubhaften Charaktere und nicht zuletzt der gut durchgezogene Spannungsbogen. Ein weiterer positiver Aspekt: im Gegensatz zu den meisten heute üblichen Thrillern hält sich der Autor ziemlich zurück, was die Schilderung blutiger Obduktionen und ähnlicher Magenverdreher angeht. OK, wie der Titel schon sagt, wird der “Auflösungsprozess” eines Körpers nach dem Tode durchaus nicht ausgespart. Insgesamt geht es aber dabei noch relativ harmlos zur Sache.
Was mich davon abhält, eine bessere Wertung zu vergeben, ist zunächst einmal das besagte Bedienen der genannten Klischees. Außerdem ist am Ende genau das herausgekommen, was ich am Anfang vermutet hatte – und so etwas enttäuscht mich immer ein bisschen. (Am schönsten finde ich es, wenn ich die Schluß-Pointe eine Seite errate, bevor sie tatsächlich erzählt wird…).
Ein netter Krimi für zwischendurch war’s aber allemal.


Der Bestsellerautor Simon Beckett kommt nach Deutschland, um seinen neuesten Thriller Leichenblässe zu präsentieren.
18. März 2009 um 20:00 Uhr: Köln – im Rahmen der lit.COLOGNE, Friedrich-Wilhelm-Gymnasium, Severingstr. 241
19. März 2009 um 20:15 Uhr: Düsseldorf – Mayersche Buchhandlung auf der Königsallee 18
20. März 2009 um 18:00 Uhr: München – im Rahmen des Krimifestivals, Institut für Rechtsmedizin, Neuer Sektionssaal der Rechtsmedizin, Nußbaumstr. 26