Tom Clancy: Jagd auf “Roter Oktober”
12. Okt 2008 von drwatson32
Techno-Thriller

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Kapitän Marko Ramius ist der Stolz der sowjetischen U-Boot-Flotte. Nicht nur, dass er die neuesten Entwicklungen auf diesem Gebiet testet, er ist auch verantwortlich für das Design des strategischen Bootes “Roter Oktober”, dessen revolutionäres Antriebssystem es selbst für die modernsten amerikanischen Jagd-U-Boote praktisch unsichtbar und unhörbar macht.
Innerlich hat Ramius jedoch schon längst mit dem kommunistischen System abgeschlossen. Und als er “Roter Oktober” auf der Jungfernfahrt kommandieren soll, hat er die Gelegenheit, seine Gedanken in die Tat umzusetzen. Er beschließt, mit dem gigantischen, Atomwaffen tragenden Schiff in die USA zu desertieren…
Jack Ryan ist Analyst bei der CIA. Eines Tages bekommt er einen höchst ungewöhnlichen Bericht zu bearbeiten: Anscheinend hat ein Kapitän der sowjetischen U-Boot-Flotte einen Brief an das Marinehauptquartier Moskau geschickt, in dem er ankündigt, sein neues Boot direkt nach New York zu führen…. richtig: es handelt sich um Ramius. Und während die sowjetischen Marinestreitkräfte alle verfügbaren Einheiten hinter “Roter Oktober” herjagen, versucht Ryan, Ramius’ Spiel zu durchschauen und ihm – und dem U-Boot – die sichere Flucht in die USA zu ermöglichen….
Nach meinem letzten Reinfall im Thriller-Genre habe ich zum Ausgleich diesen Roman wieder einmal hervorgeholt. Hier kann man sich wirklich nicht beklagen. Der Spannungsbogen ist absolut stimmig (mit einem raffinierten “falschen Ende-vor-dem-Ende”, nach dem es erst einmal richtig spannend wird). Die Personen und ihre Motive sind sauber konstruiert und (im Rahmen der gesetzten Thematik) stimmig. Technik-Freaks erfahren eine Menge über U-Boote, Sonar, Atomreaktoren und Schiffsantriebe – das meist davon dürfte sogar stimmen. Und natürlich schwelgt Clancy geradezu in den Beschreibungen der amerikanischen “Verteidigungs”-Technologien.
Hier muss der eigentliche Kritikpunkt ansetzen: Clancys Romane sind ideologisch äußerst stark von der amerikanischen Ideologie des kalten Krieges geprägt. Die “Russen” sind halt die Bösen und die Amerikaner (und, mit Abstrichen, ihre Verbündeten) sind die Guten. Und die einzigen guten Russen… tja, das sind halt die, die zu “uns” überlaufen wollen. Vom moralischen oder ethischen Aspekt gesehen geht’s also zu wie bei Karl May. Nun ja, über so etwas darf man sich nicht wundern, wenn man einen Thriller in die Hand nimmt.
Das ändert aber nichts daran, dass Clancys Romane sehr spannend sind und gute Unterhaltung garantieren. Man muss sich halt daran erinnern, dass es sich bei allem “Fotorealismus” um Fiktion handelt. Der vorliegende Band ist der zuerst erschienene Band der “Jack Ryan”-Reihe um den aufrechten CIA-Analytiker. (Folgt man der internen Chronologie der Romane, wäre eigentlich “Die Stunde der Patrioten” der erste…). Wurde auch mit Sean Connery in der Rolle des Kapitän Ramius sehr erfolgreich verfilmt.

