Buchtipp: Dashiell Hammett: Rote Ernte
19. Sep 2007 von drwatson32
Amerikanischer “hardboiled”-Krimi par excellence aus der Zeit der Prohibition

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Wie in vielen anderen Romanen Hammets ist auch hier ein namenlos bleibender Detektiv der “Continental”-Agentur der Erzähler. Er wird in das beschauliche Städtchen Peaceville gerufen, das alle immer nur “Pissville” nennen – warum bloß? (Im amerikanischen Original heißt es “Poisonville” statt “Personville”). Bevor er auch nur erfährt, was seine Aufgabe ist, wird sein Auftraggeber, Donald Willsson, Sohn des reichsten Mannes der Stadt, ermordet.
Und nun erfährt man einiges zum Hintergrund. Der Vater, Elihu Willsson, hat seinerzeit einen Generalstreik von Gangstern brechen lassen – und hat diese Gangster nun am Hals. Vier Banden terrorisieren die Stadt, unter Führung von Pete, dem Schnapsschmuggler, Max Thaler, dem Spieler, Lew Yard, dem Hehler und schließlich – Noonan, dem Polizeichef. Der Detektiv beschließt, dieses Sumpfloch ein für allemal trockenzulegen. Und das geht er auch an, mit allen legalen, illegalen, fairen und unfairen Mitteln, die im Buche stehen oder eben auch nicht. Etliche brisante Informationen werden ihm von Dinah Brand geliefert, der geldgierigen Edelnutte der Stadt. Er dient sich zunächst Noonan an, dann Thaler, nur um anschließend von Willsson den offiziellen Auftrag zu erhalten, die Stadt zu säubern. Jeder der Bandenführer (Willsson eingeschlossen) wird am Ende jedem anderen liebend gern in den Rücken fallen – aber dem Detektiv natürlich auch…. Der muss schließlich sogar seine eigenen Kollegen davon abhalten, ihn des Mordes an Dinah Brand zu verdächtigen. Am Ende bleibt von dem kriminellen Imperium nur noch ein Trümmerhaufen, und der Detektiv muss sich mit seinem Chef über das Ausbleiben seiner Berichte auseinander setzen….
Hammetts Buch lieferte die thematische Vorlage für viele berühmte Filme. Das Konzept des namenlosen Fremden, der in einen von Kriminellen beherrschten Ort kommt und beschließt, diese gegeneinander auszuspielen, wurde z.B. von Akiro Kurosawa in “Yojimbo” verewigt. Ein Remake davon, nur in den Wilden Westen verlagert, war Sergio Leones “Für eine Handvoll Dollar”. Und schließlich drehte Walter Hill 1996 “Last Man Standing” mit Bruce Willis in der Hauptrolle.
Was geschieht, wenn die Hüter des Rechts selbst kriminell werden? Anarchie ist die Folge, das Recht des Stärkeren zählt – bis die Kriminellen sich selbst ausgerottet haben. Und wenn das von allein nicht funktioniert, muss ein Agent des “Guten” ans Werk, die letzte moralische Instanz. Hammett hat diese Instanz in Form des “Continental”-Detektivs erfunden. Der ist selbst recht schnell mit dem Revolver dabei, verachtet den Whisky nicht und hat keine Skrupel, mit Lügen und Halbwahrheiten die Gangster gegeneinander auszuspielen. Wahrhaftig kein Engel. Aber manchmal braucht man einfach so einen “dunklen Ritter” – so würde er in einer Fantasy-Story dargestellt. Was die Anzahl der Mordopfer angeht, trägt der Roman seinen Titel absolut zu Recht. Ein derartiges Massaker wird man in wenigen Krimis wiederfinden. Aber nur wenige davon gehen direkt auf das Konto des Detektivs – nach meiner Zählung ist nur einziger Toter sein direktes Opfer, und selbst das geschieht in Notwehr.
Ach ja: wer hier einen klassischen Krimi im Stil der “whodunnit”-Romane von Dorothy Sayers oder Agatha Christie erwartet, ist definitiv falsch bedient. Aber das sollte eigentlich schon klar geworden sein. Wer den ersten Mord begangen hat, wird nach ein paar Seiten eher nebenher aufgeklärt und ist eigentlich völlig egal. Ansonsten ist der Band ein Leckerbissen für alle Liebhaber der “Schwarzen Serie” und was damit zusamenhängt.

