Markus Heitz: Die Zwerge
10. Sep 2008 von drwatson32
In sich abgeschlossener Auftakt-Roman der Fantasy-Reihe

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Vor tausenden von Jahren fiel die Zwergenburg des Ersten Stammes im Steinernen Torweg des Grauen Gebirge durch Verrat an die Scheusale Tions, des Dunklen Gottes. Und die Orks und Albae und andere dunkle Kreaturen fanden den Weg in das Geborgene Land…
Der Zwerg Tungdil lebt als Findelkind in der Obhut Lot-Ionans, des Magiers. Andere Zwerge kennt er nur aus Büchern. Doch endlich scheint sich sein Traum zu erfüllen: als er von Lot-Ionan auf eine Botenreise geschickt wird, begegnet er Boindil und Boendal, zwei Zwergenkriegern, die geschickt wurden, um ihn in das Zwergenreich des Fünften Stammes zu holen. Denn die Wahl des neuen Großkönigs steht an, und der einzige derzeitige Kandidat ist ein Kriegstreiber, der die Zwerge in eine Schlacht gegen die Elfen führen möchte. Wenn Tungdil – dessen Herkunft vielleicht edler ist, als er ahnt – sich als Gegenkandidat auszeichnet, so könnte diese abgewendet werden. Doch auf der Reise in den tiefen Süden des Geborgenen Landes begegnet den Gefährten Schreckliches. Die dunklen Kreaturen haben sich unter der Führerschaft des mysteriösen Nod’onn zusammengefunden, und nur wenige können gegen diese Macht bestehen. Da wird ein Anschlag gegen die Gemeinschaft der Magier verübt… alles scheint von den geheimnisvollen Zauberutensillien abzuhängen, die Tungdil als Bote überbringen sollte. Wieder einmal müssen die Zwerge ihren Auftrag erfüllen, den ihr Gott Vraccas ihnen bei ihrer Erschaffung gab: die Rettung und Stütze des Geborgenen Landes zu sein.
Markus Heitz ist Fantasy-Fans vielleicht als Autor der Reihe “Schatten über Ulldart” ein Begriff. Der vorliegende Roman in der Form der klassischen Fantasy ist der Auftakt einer anderen, vierteiligen Reihe. Die Handung ist dennoch in sich abgeschlossen (auch wenn sich im Epilog bereits der Auftakt des nächsten Bandes ankündigt). Ungewöhnlich für einen Fantasy-Roman ist die Wahl der Helden – die Zwerge eben. In anderen Romanen eher als “Nebenrolle” eingebaut, ist hier alles aus ihrer Sicht geschrieben. Axtschwingende, Kettenhemd-tragende und sture Zwerge eben. Diese etwas andere Perspektive hebt das Buch aus der Masse ab. Ansonsten handelt es sich um solide, gut gemachte Fantasy mit allen nötigen Zutaten. Was mir etwas fehlt, ist ein groß angelegter Spannungsbogen – die Story entwickelt sich zwar, man hat aber nicht das Gefühl eines “großen Plans”, der am Ende zur Auflösung kommt. OK, das ist vielleicht eine meiner persönlichen Vorlieben, ungeschlagen realisiert von Tad Williams (“Otherland”, “Der Drachenbeinthron”). Die Hauptfiguren sind nett und überzeugend gezeichnet, Action gibt es satt und der Humor kommt auch nicht zu kurz. Ein Kritikpunkt: die langen Reisen, die Tungdil und seine Freunde unternehmen müssen, haben nicht so den rechten Stellenwert. Wenn eine Wüstentour über 500 Meilen, mit Orks und Albae auf den Fersen, zwischen dem Ende eines Kapitels und dem Anfang des nächsten abläuft, dann fehlt einem als Leser zumindest ein Gefühl für die Zeitspannen. Und etliche Nebenfiguren bleiben ein wenig flach… da hätte man vielleicht noch mehr herausholen können.
Alles in allem war’s spannend und hat mich im Urlaub gut unterhalten. Teil zwei “Die Rache der Zwerge” wird demnächst an dieser Stelle zu besprechen sein.


