Neal Stephenson & Frederick George: Interface
5. Sep 2009 von drwatson32
Polit-Thriller

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William A. Cozzano ist ein beliebter, erfolgreicher Gouverneur im Mittleren Westen der USA. Als der Präsident eine schwerwiegende Entscheidung in der Finanzpolitik trifft, hat das mehrere Folgen: er bringt “das Netzwerk” gegen sich auf, eine mysteriöse Gruppierung, die etliche Billionen Dollar in die Staatsfinanzen investiert hat. Außerdem erleidet Cozzano einen Schlaganfall. Dumm gelaufen – eigentlich war er vom Netzwerk als der nächste Präsident auserkoren. Aber mit der richtigen Finanzierung kann man sogar die Folgen eines Schlaganfalls heilen. Cozzano ist plötzlich fit wie nie zuvor, denn ein neu designter Chip in seinem Kopf vollbringt wahre Wunder. Und es soll noch besser kommen: dieser Chip wird in ein “online” laufendes Umfragesystem eingebunden, so dass seine Medienberater jede politische Diskussion voll im Griff haben… Was bedeutet das für die Zukunft der USA? Eine kleine Gruppe versucht, das Spiel zu durchschauen, darunter Mary Catherine, Cozzanos Tochter, Mel Meyer, sein persönlicher Berater und Freund, Eleanor Richmond, die designierte Vizepräsidentin und Peter Zeldovich, der Designer des Chips….
Leider ist dieses Frühwerk Stephensons nicht in einer deutschen Übersetzung, sondern nur im englischen Originaltext verfügbar. Thematisch handelt es sich im Gegensatz zu den ScienceFiction- und “historical fiction”-Romanen, welche Stephensons Werk sonst ausmachen, um einen eher konventionellen Polit-Thriller. Die beschriebenen Technologien sind zwar nicht real, könnten es aber beinahe sein… gut recherchiert ist das Material allemal. Kein Wunder eigentlich, denn das ist die Basis von Stephensons Werk. Was dabei herauskommt, ist jedoch viel mehr als ein Thriller – es ist eine beißende Satire auf das politische System (darum aber kein bisschen weniger mitreißend!). Die unheilvolle Macht der Medien, die zynische Einflussnahme der “spin doctors”, die Reduktion des Wahlkampfes auf eine “Show”(oder eine Schlammschlacht) und nicht zuletzt die stets präsente, aber nie sichtbare Hand der Hochfinanz… das hat man vielleicht schon an der einen oder anderen Stelle gelesen, aber nie so glaubhaft, mitreißend auf den Punkt gebracht wie hier.
Wer das Original lesen kann, sollte es nicht verpassen.

