Robert van Gulik: Mord im Labyrinth
27. Jan 2008 von drwatson32
Historischer Krimi aus dem alten China

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Di Jen-Dsiä, seines Zeichens Bezirksrichter, ist auf dem Weg nach Lan-Fang, seinem neuen Amtssitz, als er von einer Truppe Gesetzloser überfallen wird. Diese werden zwar rasch überwältigt, aber es stellt sich heraus, dass es sich nur um verarmte, verzweifelte Stadtleute handelt, welche von einem ortsansässigen Despoten in die Gesetzlosigkeit getrieben wurden. Als Di in der Stadt ankommt, stellt er denn auch fest, dass die Bevölkerung ihn beharrlich ignoriert. Nicht die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeit…. zumal sich bereits eine Anzahl äußerst verzwickter Kriminalfälle ankündigt. Vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung mit dem lokalen Tyrannen muss sich Di um drei Fälle kümmern: die Tochter seines frisch gebackenen Oberkonstablers ist entführt worden, ein ortsansässiger pensionierter General wurde in einem fest verschlossenen Raum auf geheimnisvolle Art ermordet, und Di’s großes Vorbild, der Provinzgouverneur Sih Schu-Siän hat ein geheimnisvolles, verschlüsseltes Testatment hinterlassen…. Da tritt eine gänzlich neue Bedrohung auf den Plan: sein unbekannter Gegenspieler hat offenbar einen Pakt mit den Barbaren von jenseits der nahen Grenze geschlossen, und die Stadt ist in höchster Gefahr.
Nach der bearbeiteten Übersetzung des chinesischen Original-Romans “Merkwürdige Kriminalfälle des Richters Di” ist die der erste selbst entworfene Roman um die historische Gestalt des großen Politikers und Detektivs. Wie auch in den übrigen Romanen van Guliks arbeitet der Detektiv an einer Vielzahl von Fällen gleichzeitig, die jedoch alle miteinander verwoben sind. Diese Gestaltung ist sowohl dem alten chinesischen Kriminal-Genre geschuldet als auch dem Bestreben, möglichst eng an den historischen Hintergründen zu bleiben. Der Richter einer altchinesischen Provinzstadt vertrat nämlich die Strafverfolgung ebenso wie die Rechtsprechung zur gleichen Zeit (Gewaltenteilung war halt damals noch unbekannt….). Damit wäre zu erwarten, dass er eigentlich ständig überlastet ist und das Wohl und Weh seiner Gemeinde bis ins kleinste zu betreuen hat. Mehr zu der Romanreihe findet sich unter Robert van Gulik: Richter Di. Hier finden wir den Richter noch in der Frühzeit seiner Karriere. Seine Gehilfen sind aber schon vollständig und bieten einen interessanten Kontrast zu seiner gebildeten, ja fast philosophenhaften Persönlichkeit: der alte Wachtmeister Hung, Tao Gan, der ehemalige Hochstapler und Betrüger, Ma Jung, der einfach gestrickte Handlanger und Tschiao Tai, der ehemalige Armeehauptmann. Die drei zentralen Fälle sind dem klassischen Repertoire entlehnt: das “locked room murder mystery”, das verborgene Testament und ein mehr oder minder “normaler” Fahndungsfall. Die Kriminalfälle sind spannend gemacht, die Auflösungen keineswegs selbstverständlich und die mystisch-fernöstlichen Einstreuungen halten sich sehr im Rahmen – mehr noch als in den “Merkwürdigen Kriminalfällen”. Auch ist die Idee noch unverbraucht. Im Nachwort des Autors findet sich noch einiges an Hintergrund-Informationen und historischen und literarischen Fakten. Für Krimi-Fans und Liebhaber exotische Schauplätze ein Muss!


[...] Mord im Labyrinth [...]