Robert van Gulik: Mord in Kanton
10. Sep 2007 von drwatson32
Historischer Krimi aus China

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Irgendwann im siebten oder achten Jahrhundert … Di Jen-djiä, Präsident des Hauptstädtischen Obersten Gerichts, ist mit einer geheimen Ermittlung in Kanton beauftragt. Der Zensor Lu, ein politisch äußerst wichtiger Mann, ist in Kanton spurlos verschwunden. Die Stadt ist ein Hexenkessel aus politischen Intrigen, Ganoven, verdächtigen Ausländern und Ausgestoßenen. Was kann der Zensor hier gesucht haben? Richter Di schickt seine Assistenten inkognito zu Ermittlungen aus. Während Tao Gan, selbst einmal ein talentierter Betrüger, eine junge blinde Frau vor ein paar Wüstlingen rettet, stößt Oberst Tschiao Tai im Viertel der Araber mit einem Unbekannten zusammen, der kurz darauf ermordet wird. Es handelt sich um den Vertrauten des Zensors… Ein äußerst verwickelter Fall bahnt sich an, und das kriminalistische Genie Richter Dis ist auf das äußerste gefordert.
Tschiao Tai macht die Bekanntschaft einiger angesehener Händler und ihrer arabischen Geschäftspartner. Bei einer Abendgesellschaft lernt er auch die Tänzerin Zumurrud kennen… sollte der hartgesottene Junggeselle etwa tatsächlich den Kopf verlieren?
Tao Gan hingegen versucht die junge Frau wiederzufinden. Doch ihre Wohnung ist leer …
Richter Di ist nicht nur von der politischen Dimension des Falles beunruhigt. Die Handelsstadt Kanton mit der völlig unkontrollierten arabischen Gemeinde scheint ihm wie geschaffen, um Unruhen zu schüren. Aber wer ist der Drahtzieher, der alles steuert, aber selbst im Hintergrund bleibt?
Robert van Gulik ist der Autor einer ganzen Reihe von Romanen um die (historische belegte!) Figur des Richters Di, der chinesischen Version von Sherlock Holmes. Richter Di löst seine Fälle immer durch Beachtung aller Fakten, logische Deduktion, aber auch psychologische Betrachtungen. Die Romane folgen der chinesischen Tradition, den Ermittler parallel an mehreren, zunächst voneinander unabhängigen Fällen ermitteln zu lassen, und halten sich sehr eng an historische Gegebenheiten. Überhaupt erfährt man eine Menge über das China von einst. Nicht nur die Beschreibungen von Justiz, Verwaltung und ethische Grundhaltungen, sondern auch jede Menge “Lokalkolorit” machen die Romane zur spannenden Lektüre für Krimi-Fans. Das vorliegende Buch ist ein späteres Werk und zeigt Richter Di auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Hier kommen politische Gesichtspunkte ins Spiel (wie der sich im Buch abzeichnende, ebenfalls historisch belegte Konflikt mit der Kaiserin Wu). Im Gegensatz dazu sind frühere Werke eher “reine” Kriminalfälle, z.B. der Start der Reihe mit dem Band “Mord im Labyrinth”.
Exzellent recherchiert und sehr farbig und spannend!


