Robert van Gulik: Richter Di
28. Sep 2007 von drwatson32
Robert van Gulik, geboren 1910, gestorben 1967, ein niederländischer Schriftsteller und Diplomat, verbrachte einen großen Teil seiner Kindheit in Indonesien. Von daher stammt sicherlich seine Faszination für die ostasiatischen Kulturen. Der äußerst sprachbegabte Junge lernte dort Chinesisch, Malaiisch und Javanisch. Später kamen Griechisch, Latein, Französisch, Deutsch und Englisch hinzu. Schließlich erhielt er noch Privatunterricht in Sanskrit und Russisch….
Die Faszination für speziell die alte chinesische Kultur blieb aber ungebrochen. Um diese Faszination auch der europäischen Öffentlichkeit nahezubringen, verfasste er unter anderem eine Reihe von Kriminalromanen um Richter Di. Diese zeichnen sich neben anderen schriftstellerischen Qualitäten vor allem durch eine sehr detailgetreue Wiedergabe des altchinesischen Rahmens aus. Allerdings wurde dabei – durchaus der chinesischen Tradition folgend – die Handlung aus der Zeit der Tang-Dynastie (618-907) in die Ming-Zeit (1368-1644) verlegt.
Richter Di ist eine historische Gestalt. Er lebte in der Zeit von 630 – 700 n.C. und ist sozusagen der Sherlock Holmes der chinesischen Literatur. Er löst seine Fälle durch Analyse der Fakten und Deduktion sowie – und hier weicht er von der westlichen Traditionsfigur ab – psychologische Betrachtungen. Typischerweise klingt ein Hauch fernöstlicher Mystik mit an, ohne dass aber der Boden der Tatsachen wirklich verlassen wird.
Folgende Romane sind veröffentlicht:
- Merkwürdige Kriminalfälle des Richter Di (eine Übersetzung aus dem Chinesischen)
- Mord im Labyrinth
- Wunder in Pu-yang?
- Geisterspuk in Peng-lai
- Der See von Han-yuan
- Nagelprobe in Pei-tscho
- Tod im Roten Pavillon
- Nächtlicher Spuk im Mönchskloster
- Der Wandschirm aus rotem Lack
- Die Perle des Kaisers
- Mord nach Muster
- Mord in Kanton
- Das Phantom im Tempel
- Halskette und Kalebasse
- Poeten und Mörder
Man muss dazu wissen, dass der Kriminalroman schon seit sehr langer Zeit Tradition in der chinesischen Literatur hat – dort aber eher als “leichte Muse” gilt bzw galt. van Guliks erster Roman war eine Übersetzung und Bearbeitung eines solchen Originaltextes. Er lieferte ihm die Idee und die Figuren für die weiteren Bände, in denen wir den Werdegang Richter Di’s vom frischgebackenen Provinzbeamten bis zum Präsidenten des obersten Gerichtshofes und darüber hinaus verfolgen.
Nicht nur als Krimi interessant, sondern ein Leckerbissen für alle, die sich ernsthaft für die Geschichte und Kultur des alten China interessieren.