Tad Williams / Nina Kiriki Hoffman: Die Stimme der Finsternis
21. Dez 2008 von drwatson32
Märchen

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Von seinen Freunden beim Festmahl herausgefordert, erzählt der erfolgreiche Kaufmann Masrur seine Geschichte. Auf seiner ersten Reise wurde die Karawane in den Bergen von einer unheimlichen Kreatur überfallen, vor der es keine Rettung zu geben scheint. Die wenigen Überlebenden fliehen, verfolgt von dem Wesen, das kaum sichtbar wird, von dem sie nur die Stimme in der Nacht hören.
Eine alte Sage weist ihnen den Weg zu ihrer Rettung: sie vertreiben sich die Nächte mit Erzählungen. Und tatsächlich: das Wesen lauscht ihnen, zunächst von ferne, dann immer näher kommend… Schließlich fordert es sie zu einem Wettkampf heraus: wer von ihnen allen die traurigste Geschichte erzählt, der hat gewonnen – und erlangt Gewalt über das Leben der anderen. Und zuletzt erzählt es selbst sein Geschichte…
In der Tradition der Märchen aus “1001 Nacht” erzählt der erfolgreiche Schriftsteller Tad Williams (“Otherland”, “Der Blumenkrieg”) zusammen mit der Fantasy-Autorin Nina Kiriki Hoffman diesen kurzen Roman (ca. 170 Seiten). Schade, dass er nicht länger ist. Denn die Atmosphäre ist so dicht und greifbar, wie es nur in den besten Erzählungen aus dem Orient vorkommt. Auch die mehrfache Schachtelung der Erzählungen in Rahmenhandlungen (die Feier in Masrurs Haus und sein Bericht, die Reise, die Erzählungen der Gefährten) ist “original 1001 Nacht”. Und doch ist das eine Geschichte, die man so nicht in den alten Märchensammlungen finden wird. Auch auf das stereotype Ende (Prinz besiegt Ungeheuer, optionale Hochzeit) wartet man hier vergeblich. Statt dessen muss man sich fragen, ob nicht eher das Ungeheuer zu bedauern ist.
Als einziger Makel bleibt die Kürze der Erzählung mit dem englischen Originaltitel “Child of an Ancient City”. Davon hätte ich gern noch mehr gelesen. Auch scheint mir, dass in dem genutzte Material noch viel Erzählpotential steckt. Daher “nur” 4 von 5 Sternchen….


[...] Zitat von drwatson32 zu Tad Williams Blumenkrieg [...]