Buchtipp: Christoph Marzi: Lilith
21. Nov 2007 von drwatson32
Zweiter Band der Reihe um die uralte Metropole

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“Alles”, das waren Lycidas’ Worte am Ende des ersten Bandes “Lycidas”, “wird irgendwann wieder leben”.
Kein Wunder also, dass sich die Geschichte damit noch nicht erschöpft hat. Einige Jahre nach den Abenteuern um den gefallenen Engel werden Emily und ihre Freundin Aurora, Wittgenstein und Maurice Micklewhite erneut in mysteriöse Geschehnisse hineingezogen. Offenbar treiben sich Untote in London herum. In der Stadt unter der Stadt, in den Katakomben tauchen Schreine der Kali Durga auf. Die Vinshati, eine besonders unangenehme Abart von Werwölfen, welche alle Opfer in ihresgleichen verwandeln, breiten sich rasant aus. Auch die unheimlichen Figuren Mr. Fox und Mr. Wolf sind wieder da – wie im ersten Buch schon angedeutet. Die beiden retten unsere Freunde vor den Untoten und klären sie über deren Hintergrund auf:
Die Vinshati sind, genau wie die Vampire, die Nachkommenschaft von Carathis, einer Tochter von Lilith. Während sich die Vampire aber weitgehend unter Kontrolle haben (meistens jedenfalls), sind die Vinshati völlig unkontrollierbar – außer durch Carathis…
Um Carathis aber zu bändigen, müssen unsere Helden Lilith wieder zum Leben erwecken. Ihre Nachforschungen führen Aurora und Maurice in den Orient. Als aber der Orient-Express, mit dem sie zurückreisen wollten, wieder in London einfährt, finden Emily und Wittgenstein an Bord des Zuges keine Passagiere, sondern nur Blut und zerfetzte Trümmer vor. Sind ihre Freunde auch Opfer der Vinshati geworden? Oder sind sie auf ihrer letzten Station, in Paris, auf eine Spur gestoßen? Emily und Wittgenstein gehen selbst auf die Reise …
Während im ersten Band der christliche Mythos um Lucifer und Lilith sowie das kabbalistische Thema der Golems die zentrale Rolle spielte, geht es im zweiten Teil um die Thematik der Wiedergänger, Vampire, Vinshati, Werwölfe und ähnliche Gestalten. (Kann mir mal jemand sagen, was es mit den “Vinshati” auf sich hat? Sind sie eine Erfindung Marzis oder finden sie sich auch anderswo in der Literatur bzw. Mythologie?)
Auch die literarischen “Zitate” kommen nun aus anderen Quellen. Dickens und die Londoner Geschichte werden nun durch Kipling und Abraham Stoker ersetzt. Die Londoner Underground muss – zumindest in den späteren Kapiteln – der Pariser Métro weichen, und auch das alte Ägypten spielt eine gewichtige Rolle – mit einer kräftigen Anleihe bei den Vorgängen um die Ausgrabungen im Tal der Könige. Alle diese Mythen um die Untoten auf eine gemeinsame Quelle zurückzuführen ist schon nicht einfach, aber gut gelungen. Spannend ist es sowieso (und ziemlich schauerlich obendrein – KEIN Kinder- oder Jugendbuch!). Bin gespannt auf den dritten (und abschließenden) Teil “Lumen”.


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