Buchtipp: Howard P. Lovecraft: Necronomicon
25. Okt 2008 von drwatson32
Horror-Kurzgeschichten 
Dieses Produkt bei
Amazon.de ansehen
H.P.Lovecraft ist einer der größten Schriftsteller des Horror-Genre überhaupt. In der Reihe “Bibliothek des Schreckens” stellt der Festa Verlag einen Überblick über sein Werk vor. Der vorliegende Band (Teil 4 der sechsteiligen Reihe) enthält folgende Geschichten:
• Stadt ohne Namen
• Das Fest
• Das gemiedene Haus
• In den Mauern von Eryx
• Gefangen bei den Pharaonen
• Berge des Wahnsinns
• Geschichte des Necronomicons
• Katzen und Hunde
• Für Klarkash-Ton, Herr von Averoigne
• In Memoriam, ein Nachruf auf H.P.Lovecraft von Hazel Heald
Ungeheuer eindringlich und mit unerreichter “Suspense” gelingt es Lovecraft immer wieder, den Leser in seinen Bann zu ziehen. Fast immer folgen die Geschichten einem bestimmten Muster: sie sind in der ersten Person, als Rückblick, erzählt, was es erlaubt, immer wieder dunkle Andeutungen auf noch kommende Ereignisse zu machen. Wer die Welten des Necronomicon [ein fiktives mittelalterliches Buch, in dem angeblich erschreckende Beschwörungen und Erkenntnisse über unirdische Wesen niedergelegt sind] kennt, wird darauf gefasst sein, dass unvorstellbare Wesen vor Urzeiten die Erde beherrschten und das Leben, wie wir es kennen, nur durch einen Zufall erschufen. Und in abgelegenen Winkeln der Welt (oder auch, noch erschreckender, ganz nahe bei uns…) haben grauenhafte Dinge die Zeiten überdauert…
Das Meisterwerk schlechthin in diesem Genre ist die etwas längere Geschichte “Berge des Wahnsinns”, die einem wahrhaftig die Haare zu Berge stehen lassen kann. Die Stories ziehen ihren Gruseleffekt weniger aus expliziter Beschreibung als vielmehr daraus, dass der eigentliche Schrecken nur angedeutet wird und viel der – reichlich angeregten – Phantasie des Lesers überlassen bleibt. Und man weiß: nicht ist so schrecklich wie das Monstrum, welches man sich selbst ausdenkt….
Zwei der enthaltenen Stories wenden sich von diesem Rahmen ab: “In den Mauern von Eryx” ist in der Zukunft, auf einem fremden Planeten angesiedelt. Und das Essay “Katzen und Hunde” zeigt uns den Autor von einer ganz anderen Seite. Der Katzenliebhaber Lovecraft schwelgt in geradezu poetischen Tönen über die charakterlichen Eigenschaften seiner Lieblinge – und der Hunde, die gewiss nicht zu seinen Lieblingstieren zählen. Die Beschreibungen der Katzen sind so wunderbar, dass ich hier daraus zitieren möchte:
Der Hund bellt und bettelt und tollt zu deiner Kurzweil, wenn du mit der Peitsche knallst. [...] Die Katze hingegen lockt dich bestrickend in ein Spiel nach ihrem Sinn, wenn sie unterhalten werden will; sie lässt dich mit einem Blatt Papier an der Schnur durchs Zimmer jagen, wenn ihr nach Bewegung zumute ist, verschließt sich jedoch all deinen Versuchen, sie ins Spiel zu ziehen, wenn sie dazu keine Lust verspürt.[...] Wir besitzen einen Hund – er weilt bei uns als ein Sklave und Untergebener, weil wir ihn so haben wollen. Doch wir unterhalten eine Katze – sie schmückt unseren Herd als ein Gast, mitbewohner und Gleichrangiger, weil sie dort sein will…
Genug davon. Lovecrafts Stories stehen trotz der manchmal etwas altmodisch anmutenden Atmosphäre immer für mitreißende Unterhaltung.

