Buchtipp: Sergej Lukianenko: Sternenschatten
9. Aug 2009 von drwatson32
Der langerwartete 2. Teil zu “Sternenspiel”

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Pjotr hat den Planeten der “Geometer” – eine mit den Menschen praktisch identische Rasse – erkundet und eine Gesellschaft vorgefunden, die den Menschen vermutlich noch schlimmer erscheinen würde als die Bevormundung durch das Konklave der “starken Rassen”. Die technischen Fähigkeiten der Geometer und ihre aggressive Einstellung machen es nahezu sicher, dass die starken Rassen – die Hyxoiden, die Daenlo, die Torpp, … – alles Menschenähnliche künftig als Bedrohung ansehen werden. Keine guten Aussichten für die Erde! Die einzige Möglichkeit für Pjotr, seinen Großvater Andrej, dessen Assistentin Mascha und den Piloten und Agenten Danilow besteht darin, im Zentrum der Galaxis nach dem “Schatten” zu suchen, vor dem die Geometer all ihrer militärischen Kapazität zum Trotz auf der Flucht sind. Und den Schatten finden sie auch – aber das ist etwas völlig anderes, als sie sich jemals vorgestellt hätten. Welchen Weg sollen sie nun einschlagen? Die Erde in den “Schatten” aufnehmen lassen – und in Kauf nehmen, dass die irdische Gesellschaft künfitg nicht einmal ansatzweise mehr existieren wird? Mit den Geometern und dem Konklave gegen den “Schatten” ziehen, obwohl das praktisch aussichtslos ist? Sich mit den Geometern gegen das Konklave stellen – und die Gesellschaftsform der Geometer akzeptieren, die alles verleugnet, was uns als menschlich erscheinen würde? Um irgendeine dieser Möglichkeiten umzusetzen, müsste man aber zuerst einmal einen Weg zurück zur Erde oder zum Planeten der Geometer finden… und die Zeit drängt, denn in wenigen Tagen wird das Konklave ohnehin von der Existenz der Geometer erfahren, was fast sicher in der Vernichtung der Erde resultieren wird…
Das dem Zweiteiler des russischen Erfolgsautors zugrunde liegende Thema ist der Konflikt zwischen Selbst- und Fremdbestimmung, welcher in den unterschiedlichsten Konstellationen auftaucht: Pjotr und seine Erziehung durch seinen Großvater, das Verhältnis der starken und schwachen Rassen in der Galaxis, das totalitäre System der Geometer, welches von diesen aber als völlig normal angesehen wird, das Expansionsverhalten (“Befreundung”) der Geometer, das Wesen des “Schattens”… alle diese Beziehungen haben etwas damit zu tun. Nicht verwunderlich, wenn man andere Romane Lukianenkos kennt. Und letztlich kann eine Lösung des Konflikts nur von “innen” kommen – und nicht durch eine von anderen aufgezwungene “Erziehung”.
Aber keine Sorge: alle diese tiefen philosophischen Betrachtungen sind gut verpackt in eine rasante Story mit vielen originellen Ideen, die man so sicher noch nirgendwo anders gelesen hat. Mein Tipp: unbedingt lesen!


Lukianenko ist toll! Ich persönlich mag es etwas weniger, wenn seine Romane zu Jugendromanen werden, aber dank seinem satirischen Humor und dem genialen Spannungsbögen tut das den Büchern keinen Abbruch!