Buchtipp: Sergej Lukianenko: Wächter der Nacht
31. Jul 2007 von drwatson32

Dieses Produkt bei
Amazon.de ansehenFantasy/Horror aus Russland
Seit ewigen Zeiten leben die “Anderen” unter uns: Magier, Hexen, Tiermenschen, Vampire, … sie alle haben etwa besonderes an sich, und nur sie vermögen ins “Zwielicht” zu sehen, die Schattenwelt. Sie teilen sich auf in die Dunklen und die Lichten. Ihr ewiger Konflikt wird durch den Großen Vertrag geregelt – und auf die Einhaltung dieses Vertrags achten die Wächter: für die Dunkle Seite die Tagwache, für die Lichte Seite die Nachtwache. Denn keine Seite darf einen Vorteil erringen – das würde das Gleichgewicht zerstören und die Menschen in den Abgrund reißen…
Anton Gorodezki ist bei der Nachtwache. Ein einfacher Lichter Magier, daneben Programmierer und SysOp des Moskauer Wachbüros. Nun soll er aber auch einmal heraus aus dem Büro und an einem Einsatz teilnehmen. Dabei entdeckt er gleich zwei kritische Fälle. Ein unlizensierter Vampir treibt in Moskau sein Unwesen und sein Opfer wird ein Junge sein – mit beachtlichem magischen Potential, aber noch unentschieden, was die Lichte oder die Dunkle Seite angeht. Und über dem Kopf einer jungen Frau in der Metro schwebt ein Höllenstrudel… Noch ahnt Anton nicht, dass ihre Zukunft miteinander verstrickt ist. Wer zieht hier die Fäden? Ist es der Leiter der Tagwache, oder ist es sein eigener Chef? Und was ist das Ziel des mörderischen Schachspiel, in dem er eine Figur geworden ist?
Was unterscheidet eigentlich einen Dunklen Magier von einem Lichten? Warum darf die Lichte Seite nicht die Überhand gewinnen? Ist es schlimmer, einen Menschen in einem Ritual zu opfern, als tausende Zivilisten umkommen zu lassen, damit ein gesellschaftliches Experiment nicht scheitert? Anton zweifelt schließlich an den Grundlagen seiner Existenz… und seine Beziehung zu Swetlana, der Frau, die er gerettet hat, ist auch nicht unkompliziert.
Sergej Lukianenkos Bücher sind in Russland – wenn man dem Klappentext Glauben schenken darf – beliebter als Harry Potter und “Der Herr der Ringe”. Ich kann’s nachvollziehen. “Wächter der Nacht” ist der einmalig gut gelungene Auftakt einer Tetralogie (es folgen die Bände “Wächter des Tages”, “Wächter des Zwielichts” und “Wächter der Ewigkeit”). Die Story hat reichlich genug Action, um spannend zu sein. Trotzdem handelt es sich nicht um eine schlichte Gut/Böse-Haudrauf-Angelegenheit. Im Gegenteil ist die Abgrenzung zwischen Licht und Dunkel derart schwierig, dass man am Ende begreift: nur die Zweifel an der eigenen Position machen das Licht aus, nur die Dunklen sind sich ihrer Sache immer sicher.
Die Schachzüge zwischen Sebulon, dem Leiter der Tagwache, und Geser, dem Leiter der Nachtwache, sind derart komplex, dass man einiges erst beim zweiten Durchlesen versteht. Aber das muss so sein – die Handlung der weiteren Bände wird hier angelegt. Trotzdem kann man das Buch auch einzeln lesen – es gibt am Ende keinen “Cliffhanger” wie in anderen Fantasy-Mehrteilern. Die Story besteht aus drei Episoden, die zunächst lose nebeneinander stehen. Erst am Ende wird klar, wie sie zusammenhängen – stilistisch sehr gelungen, denn den Hauptpersonen geht es genauso.
Das Buch wurde auch verfilmt – leider habe ich den Film nicht gesehen. Das muss ich wohl bei nächster Gelegenheit nachholen…. aber erst, nachdem ich auch den letzten Teil der Tetralogie verschlungen habe! Auf jeden Fall ist das Buch ganz bestimmt nicht im “amerikanischen Stil” geschrieben, sondern erfreulich anders und – soweit ich das beurteilen kann – sehr “russisch”…

[...] Wächter der Nacht [...]
Inzwischen habe ich den Film gesehen – genial!
Wenn auch die Handlung des Romans nicht unbedingt genau wiedergegeben wurde, ist doch die Atmosphäre unvergleichlich gut eingefangen.
Was mir im Film etwas gefehlt hat, war die Zwiespältigkeit zwischen den “Dunklen” und den “Lichten” – hier sind eben die “Dunklen” doch auch die “Bösen”. Aber wer weiß, was die anderen Teilen noch bringen.