Buchtipp: Sergej Lukianenko: Wächter des Zwielichts
13. Aug 2007 von drwatson32
Dritter Teil der “Wächter”-Tetralogie über die Lichten und Dunklen Anderen, magisch Begabten unter uns.

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Ist es eigentlich möglich, einen normalen Menschen in einen “Anderen” zu verwandeln? Eigentlich sind alle sich einig, dass man zum Anderen bestimmt ist – und wer kein magisches “Talent” hat, wird für immer ein Mensch bleiben. Aber nun hat ein anonymer Brief genau das behauptet: Ein Magier würde dazu erpresst, einen Menschen zum Anderen zu machen. Normalerweise nur die Spinnerei eines Irren – doch dieser Brief ist zeitgleich an das Büro der Nachtwache, der Tagwache und an die Inquisition gegangen. Wer könnte überhaupt wissen, wo sich das letztere befindet?
Anton, der Held der letzten beiden Bände, wird beauftragt, der Sache auf den Grund zu gehen…
… und diesmal arbeiten sogar die Lichten und die Dunklen zusammen, denn wäre diese Verwandlung tatsächlich möglich, wäre ihre Lebensweise gefährdet. Und was würde das erst für die Menschen bedeuten? Wer wollte sich nicht “umwandeln” lassen? Und was geschieht, wenn auf einmal jeder über magische Fähigkeiten verfügt? Ein bedrohliches Szenario also, in dem kein Platz für Ränkespiele ist. Oder hat Geser, der Chef der Nachtwache, doch noch seine eigenen Pläne dabei …? Auch Kostja, der im ersten Buch noch der nette Junge von nebenan war, tritt wieder auf. Inzwischen ist er zum Hohen Vampir geworden, und die Kluft zwischen Anton und ihm ist nahezu unüberbrückbar, obwohl sie doch früher einmal beinahe Freunde waren.
Anton ist mittlerweile mit Swetlana verheiratet, und seine Tochter Nadja hat ein geradezu unheimliches magisches Potential entwickelt, dem nicht einmal das Swetlanas, der Hohen Zauberin, nahekommt. Bei einer Zweijährigen kann das ganz schön aufreibend sein. Da spielen sich in der Nähe ihrer Datscha merkwürdige Dinge ab. Offenbar lebt eine sehr fähige Hexe im Wald in der Nähe. Was führt sie im Schilde? Anton muss um seine Familie kämpfen… und dabei wird die zentrale Frage des ersten Teils etwas mehr ins Licht gerückt.
In der Wohnung der Hexe Arina findet sich ein verborgener Bücherschrank. Viteszlav, der Inquisitor und Vampir, wird dort vernichtet aufgefunden. Irgend jemand hat ein Buch mit großer magischer Kraft dort entfernt. Handelt es sich womöglich tatsächlich um das sagenumwobene “Fuaran”, in dem die Verwandlung von Menschen in Andere beschrieben ist? Wer hat es geraubt, und welche Ziele verfolgt er damit? Eine wilde Jagd nach dem Unbekannten setzt ein…
Auch der dritte Band von Sergej Lukianenkos Wächter-Zyklus gliedert sich in drei Teile, deren Zusammenhang erst am Ende richtig klar wird. Spannung ist garantiert, aber auch genügend Stellen zum Schmunzeln sind vorhanden. Zum Beispiel die Szenen im Moskauer Nobelwohnblock, der sich hinter der Fassade als besseres Studentenwohnheim entpuppt – wer schließlich sein Vermögen für den Erwerb einer Wohnung dort ausgegeben hat, kann kein zweites mehr für ihre Renovierung aufwenden – und so müssen sich die Bewohner je nach Ausstattungslage gegenseitig unter die Arme greifen, getreu dem Motto “geh Du ruhig auf mein Klo, dann nehme ich ein Bad in Deinem Jacuzzi”.
Anton, die Hauptfigur, entwickelt sich weiter. Sowohl was seine magischen Fähigkeiten angeht als auch in seinem Privatleben gibt es jede Menge Neuigkeiten. Aber weiterhin steht die Frage im Mittelpunkt, was der Unterschied zwischen Licht und Dunkel eigentlich bedeutet. Kostja, Vampir und sein “Jugendfreund”, hat ihm nie verziehen, dass Anton seinerzeit einen Vampir getötet hat. Anton wiederum kann nicht verwinden, dass Kostja zum Leben das Blut von Menschen braucht. Hätten sich die beiden doch nur mal ausgesprochen… aber dann wäre dieses Buch nur halb so spannend.
Man sollte unbedingt die vorherigen beiden Bände (“Wächter der Nacht” und “Wächter des Tages”) zuerst lesen, sonst fehlt einfach der Hintergrund. Dagegen gilt für das Ende das Gleiche wie auch für die anderen Bücher: kein Cliffhanger – die Story hat einen guten Abschluss. Trotzdem gibt es genügend Potential, um den vierten Band überzeugend auf die bisherigen aufzubauen. Aber davon später mehr…


[...] Wächter des Zwielichts [...]