Buchtipp: Walter Moers: Die Stadt der träumenden Bücher
14. Jan 2009 von drwatson32
Saurierdichtung aus Zamonien

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Der Altmeister der zamonischen Dichtkunst, Hildegunst von Mythenmetz selbst, erzählt davon wie er selbst in jungen Jahren die Lindwurmfeste verliess, um das Orm zu finden….
Die Bewohner der Lindwurmfeste sind, wie jeder Zamonien-Reisende weiß, allesamt große Dichter. Mythenmetz hat aber bislang noch nichts nennenswertes zu Papier gebracht. Sein “Dichtpate” und Lehrer vererbt ihm ein Manuskript, welches wie kein anderes vom “Orm” durchdrungen ist, jener geradezu mystischen Kraft, welche die wahre Dichtkunst ausmacht. Mythenmetz macht sich auf zur Stadt Buchhaim, um den Autor dieses Manuskripts zu finden. Für einen Dichter scheint Buchhaim ein Paradies zu sein: alles dreht sich hier nur um Bücher, und wer nicht selbst schreibt, der ist entweder Buchhändler, Drucker oder Verleger…
Aber nur zu bald trifft Mythenmetz auf die Schattenseiten der Stadt: brutale Bücherjäger, Schrecksen-Antiquariate und schließlich den undurchschaubaren Phistomefel Smeik, der es schafft, Mythenmetz in das finstere Bücherlabyrinth unterhalb der Stadt zu verschleppen. Dort treiben die seltsamsten aller Kreaturen ihr Spiel: von den niedlichen Buchlingen bis hin zum Schattenkönig, jener unheimlichen Gestalt, die in den Sagen Buchhaims immer wieder besprochen wird. Manchmal haarsträubende, manchmal urkomische Abenteuer muss Mythenmetz durchstehen, bis er am Ende nicht nur die Dichtkunst von einem lernt, der sie sozuzsagen im Blut hat, sondern auch ganz unerwartet das Orm findet – an das er selbst schon nicht mehr geglaubt hat.
Typisch für Moers ist dieses Buch fest in die Sagenwelt (oder Literaturgeschichte?) des Kontinents Zamonien eingebunden. Hildegunst von Mythenmetz dürfte seinen Lesern kein Unbekannter sein: schon in den “13 1/2 Leben des Kapitän Blaubär” spielen seine Bücher eine Bänden verbunden, und Phistomefel Smeik ist ganz gewiss ein Vorfahre von Volzotan Smeik, jener Haifischmade, welche als Unterweltkönig und Drahtzieher der Lügengladiatoren-Kämpfe von sich reden machte.
Vor allem aber ist der Roman eine wunderbare Hommage an das Lesen selbst. Jede echte Leseratte kann das Vergnügen von Mythenmetz nachvollziehen, als er die ganz mit Einbandleder ausgeschlagene Grotte der Buchlinge entdeckt: von oben bis unten mit Büchern vollgestellt, und eine rätselhafte Maschine schafft aus den unergründlichen Tiefen des Labyrinths ständig neue herbei, die gelesen werden wollen… aber Vorsicht: es gibt nicht nur Träumende Bücher, sondern auch Lebendige Bücher, sogar Gefährliche Bücher – wie Mythenmetz am eigenen Leibe erfahren muss!
Für Zamonien-Freunde, aber eigentlich für alle Leseratten und Bücherteufel ein Muss!

