China Miéville: Die Falter
16. Sep 2008 von drwatson32
Science/Fantasy

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New Crobuzon – ein schwärender, stinkender Moloch von einer Stadt, ein Schmelztiegel aller möglichen menschlichen und andersartigen Kulturen. Beherrscht von einem korrupten Parlament, unterdrückt von einer gesichtslosen, brutalen Miliz, ist sie dennoch die Brutstätte eine ungeheuer vielfältigen Kultur. Hier treffen halb menschliche, halb insektenhafte, aber sehr attraktive Käferfrauen auf die “Remade”, Menschen und andere Wesen, die man als Strafe für ihre Vergehen verändert hat – indem ein Teil ihrer Körper durch groteske Apparaturen ersetzt wurden.
Isaac, der geniale, aber eigenbrötlerische und an der Grenze der Legalität arbeitende Wissenschaftler, lässt sich von einem Vogelmenschen engagieren, um diesem wieder zu seinem Flügeln zu verhelfen, die man ihm genommen hat. Er stürzt sich auf diese Aufgabe und beginnt, alles zu sammeln, was Flügel hat – oder entwickeln könnte.
Seine Geliebte, die Khepri Lin, die eine begnadete Künstlerin ist, wird engagiert, um das Portrait eines geheimnisvollen Gangster-Barons anzufertigen.
Und als Isaac eines Tages eine Raupe erwirbt, die offenbar nur mit einer besonderen Droge zu ernähren ist, nimmt das Unheil seinen Lauf.
Aus der Raupe schlüft ein unheimliches Wesen, ein Falter, das perfekte Raubtier. Denn es hypnotisiert seine Opfer mit den immer wieder wechselnden Mustern seiner Flügel und ernährt sich von deren Träumen und Gedanken. Da kommen die Stadt-Oberen auf die Idee, die Hilfe eines ganz besonderen Wesens zu suchen…
China Miévilles Roman ist der erste Band der zweiteiligen Reihe “Perdido Street Station” über die Welt von Bas-Lag. Aus diesen Erzählrahmen existieren außerdem noch zwei weitere Bücher. Es ist nicht ganz leicht, eine geeignete Kategorie für dieses Buch zu finden. Science Fiction-Elemente klingen an, aber auch die hermetischen Wissenschaften (Magie / Thaumaturgie) finden ihren Platz. Die “Re-made” sind eine Anleihe bei den Cyborgs der Science Fiction. Aber hier werden Roboter mit Dampf und Lochkarten betrieben, und die Stadt New Crobuzon erinnert eher an das London – oder das New York – der beginnenden Industrialisierung. “Steam Punk” ist der Begriff, der einem am ehesten dazu einfällt. Doch nicht nur diese Wahl des Settings hebt den Roman deutlich aus der Masse heraus. Miéville beschreibt die Stadt höchst eindringlich und pittoresk. Und die geschilderten Charaktere funktionieren einfach – die ungewöhnliche Beziehung zwischen Lin und Isaac genauso wie die erst später angesprochene komplizierte Beziehung von Lin zu den anderen ihrer Rasse. Man merkt auch, dass hinter den anderen Personen noch ungeheuer viel Erzählpotential liegt, das nur ansatzweise genutzt ist und hoffentlich die anderen Bände genauso ansprechend füllt wie diesen.
New Crobuzon ist ein teils vertrauter, aber vielleicht genau deshalb auch sehr verstörender Ort. Ein Zitat aus der Wikipedia beschreibt dies besser, als ich es könnte:
…man hat den Eindruck, als hätten sich ein an Cultural studies interessierter Soziologe, Neal Stephenson und Charles Dickens an einen Tisch gesetzt, um gemeinsam ein stinkendes, dampfendes London in einer Parallelwelt der Zukunft (oder Vergangenheit) zu entwerfen…
(Quelle:http://de.wikipedia.org/wiki/China_Mieville)
Leider (oder zum Glück – dann dauert der Lesespaß länger!) ist die Story mit diesem Buch nicht beendet. Den nächsten Teil, “Der Weber”, werde ich auf jeden Fall lesen (und natürlich hier besprechen). Man sollte sich auf keinen Fall von dem etwas billig wirkenden Titel der Bastei-Lübbe-Veröffentlichung abschrecken lassen!


[...] Hypnose gefangenen Opfer lebt, aus den Labors entkommen sind, hatte am Ende des ersten Bandes (“Die Falter”) der Weber unsere Protagonisten aus den Händen der Miliz gerettet: Isaac, der geniale [...]