China Miéville: Un Lon Dun
7. Sep 2008 von drwatson32
Fantastischer Roman

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Seit Zanna und Deeba Zannas Gesicht in den Wolken gesehen haben, geschehen die merkwürdigsten Dinge: Eine wildfremde Busschaffnerin grüßt Zanna und nennt sie “Schwasi”. Die Eichhörnchen im Park bringen ihr Nüsse. Ein unheimlicher schwarzer Rauch scheint sie und ihre Freundinnnen anzugreifen. Und ein kaputter Regenschirm treibt sich nachts vor ihrem Fenster herum und führt anscheinend nichts gutes im Schilde…
Die beiden 14jährigen Mädchen finden in einem verlassenen Keller einen geheimnisvollen Weg nach Un Lon Dun, der “anderen Seite von London”, wo alles das landet, was in London verlorengegangen ist oder nicht mehr gebraucht wird. Alle Bewohner der Stadt sind hellauf begeistert, denn eine von ihnen ist ja die Auserwählte (die “Choisie”), die sie gegen den unheimlichen Feind führen wird: den Smog…. UnLonDun ist bevölkert von einem Sammelsurium aus merkwürdigen Gestalten. Davon sind die UnRegenschirme unter der Herrschaft von Mr.Fledderschrimm noch die gewöhnlichsten. Blutrünstige Giraffen streifen durch die Straßen, im Inneren mancher Häuser wuchert der Dschungel, ein Orden Karate-kämpfender Mülltonnen dient als Leibwächter der Prophezeiher… Aber nicht immer sind Freunde und Feinde das, was sie auf den ersten Blick zu sein scheinen.
Auf das Buch bin ich gestoßen, als ich nach verwandten Stücken zu Christoph Marzi’s “Lycidas”-Trilogie gesucht habe. Ähnlich wie auch dort dreht sich alles um die Idee, dass große Städte ein Pendant in einr fantastischen Welt haben, wo alles das landet, was in unserer alltäglichen keinen Platz mehr hat. Auch, dass zwei Mädchen die Brücke zwischen diesen Welten überwinden und in der Parallelwelt eine Aufgabe zu erfüllen haben, ist ein gemeinsames Motiv. Aber dort endet auch schon die Ähnlichkeit. Während Marzis Romane sehr düster und erschreckend und auch eindeutig nicht als Jugendbuch gedacht sind, ist dieser Buch eher auf Spannung, Abenteuer und einen guten Schuss Humor ausgelegt. Und einfach süß ist Krissel, die kleine herrenlose Milchtüte…
Mit dem Buch wendet Miéville sich erstmals auch an ein jüngeres Publikum. Meine Altersempfehlung: ab ca. 12 Jahre (das sollte aber Erwachsene nicht abhalten!).


[...] eine andere, fantastische Dimension existiert – wir sehen sie bloß nicht. War in “UnLonDun” noch ein Weg in die andere Welt zu finden, leben hier die mystischen Gestalten mitten unter uns [...]