Christoph Marzi: Fabula
9. Mai 2009 von drwatson32
Mystery

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Wer jetzt an Scully und Mulder denkt, liegt völlig falsch!
Colin Darcy ist ein recht erfolgreicher, etwas weltfremder Wirtschaftswissenschaftler. Seit er nach London gezogen ist, hat er seine Kindheit und Jugend in dem alten Haus Ravenscraig endgültig hinter sich gelassen – hofft er. So sehr, dass er sich kaum noch daran erinnern kann. Doch eines Tages holt ihn seine Vergangenheit ein.
“Glaubst du, dass Mama böse ist?”
“Manchmal ist sie das.”
Ein dringender Anruf unterrichtet ihn davon, dass seine Mutter verschwunden ist. Seine anfängliche Erleichterung (warum eigentlich?) verwandelt sich in Besorgnis, als auch sein lange nicht mehr gesehener Bruder Danny zunächst auftaucht und dann ebenfalls verschwindet. Sein bester Freund fällt einem mysteriösen “Unfall” zum Opfer. Colin wird gezwungen, sich seiner Vergangenheit zu stellen. Was hatte es tatsächlich mit den unheimlichen Geschichten auf sich, die seine Mutter immer zu erzählen wusste? Colin reist zurück zum Haus seiner Kindheit – und trifft dort seine Jugendliebe wieder, die seinerzeit von seiner Mutter mit ihren Geschichten vertrieben wurde. Geschichten, von denen er heute nicht mehr so genau weiß, ob es wirklich nur Geschichten waren. Gemeinsam betreten die beiden die dunklen Gänge Ravenscraigs.
Da hilft es auch nicht, dass Colin verdächtigt wird, an dem “Unfall” seines Freundes beteiligt gewesen zu sein. Und während sein “London-Leben” hinter ihm in Trümmer fällt, tun sich vor ihm die Abgründe seiner Kindheit auf. Wie kam es eigentlich, dass sein Vater damals auf geheimnisvolle Weise von den Klippen stürzte? Was hat es mit der Geschichte auf sich, dass Colin bei seiner Geburt von einer Dschinni auf die Stirn geküsst wurde? Und warum hat sein Vater sich nie gegen die Bosheiten seiner Frau zur Wehr gesetzt?
Marzis Roman ist eine wunderbare und sehr poetische Mischung aus fantastischen und schauerlichen Elementen. Typisch und z.B. aus den Romanen um die “Uralte Metropole” bekannt sind die Bezüge auf alte Songtexte (hier “Yellow Ribbon” und andere). Die Schauergeschichten Helen Darcys sind eines Stephen King würdig. Und so romantisch wie die Liebesgeschichte um Colin und Livia habe ich schon lange nichts mehr gelesen… so was liegt mir eigentlich gar nicht, aber hier wars doch sehr nett.
Ein oder zwei Wendungen kommen ein wenig plötzlich und unmotiviert daher (etwa die Herkunft von Colins Vater). Das trübt aber den Gesamteindruck nur sehr wenig. Nicht nur für Fans sehr empfehlenswert.

