Christoph Marzi: Lumen
8. Jan 2008 von drwatson32
Abschluss der “Lycidas”-Trilogie

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Am Ende von Lilith hat Emily endlich den gefunden, der sie liebt. Oder doch nicht? Auch mit Adam ist nicht alles Gold, was glänzt. Und als der seine Musiker-Karriere über seine Beziehung stellt, bleibt Emily bei ihrem Ziehvater Wittgenstein in London zurück. Doch wieder geschehen unheimliche Dinge: Nebel kriechen durch die Straßen und überfallen Menschen (und andere…). Und eine merkwürdige Dürre zerstört ganze Viertel der uralten Metropole unterhalb der Stadt. Irgendjemand stellt den verfeindeten Häuser von Mushroom und Manderley diese Erscheinungen als Verbündete zur Verfügung. Wieder einmal steht die Stadt am Rande einer offenen Auseinandersetzung. Und der einzige, der davon profitiert, ist der Ophar Nyx, das uralte Wesen, welche sich von all den bösen Gefühlen nährt, welche die Stadt ausschwitzt.
Emilys Freundin Aurora glaubt indes, Geister zu sehen. Das Gesicht ihres Jugendfreundes, der längst verschollene Neil, verfolgt sie…
Und warum verbieten die Black Friars, dass die Vorkommnisse untersucht werden? Wittgenstein und Emily fliehen nach Prag, um dort den Schlüssel zum Gefängnis des gefallenenen Engels Lucifer – oder Lycidas – zu finden. Denn nur dieser könnte die Welt vor den grausamen Drahtziehern dieser Machenschaften retten…
Lilith, die ihn liebt und sucht, ist verschollen. Nur ein kleines Häufchen anscheinend Vertrauenswürdiger macht sich an die Suche: Wittgenstein, Emily, Aurora, Wittgensteins alter Lehrer McDiarmid sowie Tristan Marlowe, Maurice Micklewhite’s Nachfolger im Britischen Museum. Doch kann man wirklich allen trauen? Ihre Gegner scheinen jeden Schritt im voraus zu wissen… Und Emily weiß gar nicht, wie sie sich zu dem eigentlich ziemlich abweisenden Tristan verhalten soll…
Auch der dritte Teil der Trilogie von Christoph Marzi zeichnet eine düstere, depressive Welt, in der es ständig kalt und regnerisch zu sein scheint. Die äußere Atmosphäre spiegelt sich in der inneren wider, in der seelischen Verfassung der Hauptpersonen. Doch hier wie dort gibt es manchmal, plötzlich, ganz unerwartete Wandlungen. Und am Ende stellt sich heraus, dass – natürlich – nur die Liebe alle Widerstände besiegen kann.
Die literarischen Anspielungen der ersten beiden Bände sind hier nicht ganz so weit getrieben. Anders als in “Lilith” werden nicht mehr ganze Literaturwerke in den Handlungsstrang mit einbezogen, die Zitate beschränken sich auf einige eingeflochtene Personen wie z.B. Gregor Samsa, der aber nur eine winzigkleine Nebenrolle spielt. (Jetzt wissen wir übrigens, in was für einen Käfer er sich verwandelt hat …!) Ansonsten wird es wieder ordentlich schauerlich, wenn auch nicht ganz so blutig wie in den anderen Bänden. Außerdem erfährt man nun endlich, wer hinter all den Vorkommnissen steckt und warum man auch Engeln nicht immer trauen sollte…
Manchmal lese ich, dass in Marzi’s Büchern “alles nur geklaut” ist. Klar, die Geschichte von Dracula oder dem Mann der König sein wollte, stammen von Stoker bzw. von Kipling. Aber wer meint, dass das einfach nur abgeschrieben ist, der irrt – aus diesen Versatzstücken formt Marzi seine ganz eigene Welt. Und aus den Bröckchen von Milton (“Paradise Lost”) bis Dickens das vorliegende Werk zusammenzustellen, das macht ihm so leicht keiner nach.
Nicht ganz so stark wie die beiden ersten Bücher, aber das kann auch am Gewöhnungseffekt liegen. Wem die beiden anderen Bände gefallen haben, der sollte auch diesen Teil nicht verpassen.



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