Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt
15. Nov 2008 von drwatson32
Wissenschafts-Biografie

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1828 treffen zwei der berühmtesten Wissenschaftler Deutschlands – ach was, Europas – erstmalig zusammen: Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauss. Diese Begegnung dient als Aufhänger einer verflochtenen Biographie dieser beiden Berühmtheiten. Denn obwohl sie zu diesem Zeitpunkt zum ersten Mal zusammentrafen, sind doch beide schon lange vorher geradezu Exponenten des Zeitalters der Aufklärung geworden.
Menschlich gesehen könnten die beiden Wissenschaftler nicht unterschiedlicher sein: Humboldts abenteuerliche Reisen sind geradezu legendär geworden, besonders seine Entdeckungsfahrten durch Südamerika, deren Verlauf unter widrigsten Umständen einen großen Teil dieser Hälfte des Buches beansprucht. Demgegenüber ist Gauss kaum jemals aus seiner Heimatstadt herausgekommen, und die Reise nach Berlin (zum Treffen mit Humboldt) scheint eine ungeheure Anstrengung für ihn bedeutet zu haben. Merkwürdige Käuze müssen jedoch beide gewesen sein. Und Beschreibung dieser manchmal übermenschlichen, manchmal aber geradezu allzumenschlichen Schrullen macht einen großen Teil des Charmes des vorliegenden Buches aus. Die beiden Protagonisten sind in vielen Dingen das genaue Gegenteil voneinander: Gauss, der manchmal geradezu als Frauenheld dargestellt wird, und Humboldt, bei dem zarte Andeutungen in Richtung Homosexualität fallen. Oder Humboldt, der Adlige, gegenüber Gauss, dem Sohn eines Gärtners und eines Dienstmädchens. Aber beide sind die Ikonen einer bestimmten Wissenschaftsepoche: der “Vermessung der Welt” eben. Dazu zählen die Naturbeschreibungen Humboldts genauso wie die mathematischen Errungenschaften Gauss’.
Die Darstellung Kehlmanns ist unvergleichlich. Was wie ein ziemlich trockener und unverdaulicher Stoff klingt, fließt hier wunderbar leicht und flüssig aus der Feder und ist oft sogar ziemlich amüsant. Vor wissenschaftlichen Darstellungen braucht man hier keine Angst zu haben: die werden zwar erwähnt, bleiben aber Nebensache.
Für jeden, der sich für das Zeitalter der Aufklärung und die beiden großen deutschen Wissenschaftler interessiert, ein sehr empfehlenswertes Buch.


