H.D.Klein: Googol
7. Apr 2008 von drwatson32
Deutsche Sci-Fi, fast gut.

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Im Jahre 2045 hat die Weltraumfahrt wieder an Aufschwung gewonnen. Zwar gibt es keine spektakulären Aktion wie Reisen zu anderen Planeten, aber die Menschheit beginnt damit, den Astroidengürtel auszubeuten – mehr geben eben die Triebwerke nicht her. Auf der Erde schwindet der Einfluß der Nationalstaaten, und die Konzerne übernehmen mehr und mehr deren Rolle.
Da entdecken Astronomen irgendwo jenseits der Jupiterbahn eine gewaltige, rotierende Pyramide, offenbar ein Artefakt, welches mit ungewöhnlich hoher Geschwindigkeit in das Sonnensystem eindringt. In antiken Aufzeichnungen finden sich Hinweise darauf, dass ein vergleichbares Objekt die Erde etwa alle 500 Jahre passiert. John Nurminen, eine Raumfahrt-Kapitän der ersten Stunde, bekommt den Auftrag, ein neuartiges Raumschiff, die “Nostradamus” auf einer Forschungsexpedition dorthin zu führen. Der Antrieb ist ein hochgeheimes Projekt – allein die Erprobung des Antriebs wäre schon genug Rechtfertigung für den Flug. Doch die Besatzung hat es in sich – offenbar wurden die Teilnehmer eher bei firmenpolitischen Machtspielchen ausgesucht als nach Raum-Tauglichkeit. Psychologische Katastrophen während des Fluges sind vorprogrammiert. Auch ein alter Freund Nurminens, nun beim Vatikan, zieht sein Fäden, und bereits vor dem Abflug wird ein Anschlag auf die Teilnehmer verübt.
Während Nurminen mit den Widrigkeiten seiner Crew und seines Schiffes kämpft, kommt er langsam – zu langsam? – dahinter, welches Spiel hier mit ihm gespielt wird. Anscheinend hat jeder an Bord seine eigenen Ziele … und was ist mit den Auftraggebern? Beinahe gerät das eigentliche Ziel, die gigantische Pyramide, ins Hintertreffen….
Ein Googol ist das Wort für den mathematischen Ausdruck 10100 – eine absurd große Zahl. Zum Vergleich: die gesamte Anzahl an Atomen im Weltall ist kleiner (geschätzt zwischen 1080 und 1085, Quelle: Wikipedia: Googol). Diese Zahl spielt aber es ganz am Ende des Romans eine Rolle.
Mein Verhältnis zu diesem Buch ist etwas gespalten. Einerseits sind die Charaktere alle ziemlich gelungen, und die zum Teil absurden Konflikte der Crew machen die Lektüre recht spannend. Auf der anderen Seite ist das Thema schon ein wenig abgegriffen (sozusagen) – seit Arthur C. Clarke’s “Odysse im Weltraum” und “Rendezvous mit Rama” sind wenig neue Aspekte hinzugekommen. Außerdem mag ich es gar nicht, wenn die Auflösung eines Rätsels in irgendwelchen Mysterien verschwindet – so wie es hier passiert. Die Pyramide kommt halt von irgendwelchen nahezu übernatürlichen Wesen, die offenbar nicht näher erklärbare Pläne mit der Menschheit haben, welche mit ebenfalls nicht näher erklärbaren Mitteln erreicht werden sollen.
Stellt man diese Vorbehalte hintenan, dann ist “Googol” ein spannendes Buch. Man darf halt nur am Ende keine endgültige Auflösung erwarten. Die kommt aber vielleicht noch im zweiten Teil “Googolplex”. Den werd’ ich mir sicherlich auch noch zu Gemüte führen…
A propos: Googolplex bedeutet mathematisch 10Googol, also eine eins mit “Googol” Nullen. Diese Zahl ist in diesem Universum nicht einmal darstellbar, da es nicht genug Atome gibt, um die Nullen alle aufzuschreiben….


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