Jenny-Mai Nuyen: Das Drachentor
16. Jan 2008 von drwatson32
Fantasy-Roman

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Menschen, Elfen und Drachen bewohnen die Welt von Jenny-Mai Nuyen. Doch die Elfen werden verachtet, die Menschenvölker der Haradonen und der Myrdhaner liegen im Krieg und die Drachen werden als Kriegsmaschinen gezähmt. In diesen Konflikt geraten die vier Hauptdarsteller, welche zunächst alle ihren eigenen Weg gehen, ohne voneinander zu wissen.
Alasar ist erst elf Jahre alt, als seine ganze Familie und sein Dorf von der Armee der Haradonen ausgelöscht wird. Mit den Überlebenden, vor allem den Kindern, flieht er in die nahe gelegenen Höhlen und begründet dort das Reich der Höhlenkinder. Voller Angst und Hass lernen sie zu überleben.
Ardhes ist die Tochter des Königs und der Königin von Awrahell, einem Land an der Grenze zwischen den verfeindeten Staaten. Ihr Vater ist ein Elf, ihre Mutter ein Mensch, sie selbst das Unterpfand für eine gemeinsame Zukunft dieser Völker. Doch besonders ihre Mutter hat eigene Pläne, während ihr Vater Octaris ihr die elfischen Prophezeiungen und das zweite Gesicht nahebringt.
Revyn ist ein Junge aus einem Dorf irgendwo in Haradon, durch den Krieg zum Waisen geworden. Doch er hat etwas ganz besonderes: die Drachen hören auf ihn, nur er kann die wilden Drachen zähmen und zur Ruhe bringen. Aus dem Dorf vertrieben, wird er schließlich in der königlichen Armee zum Drachenzähmer.
Bis er irgendwann Yelanah begegnet, der “kleinen Göttin” der Elfen, die mit den Drachen verbunden ist. Und die Drachen verschwinden nach und nach aus der Welt, folgen einem geheimnisvollen Ruf in die Nebel, welche diese Welt von der nächsten trennen….
Alle vier Hauptpersonen sind “Ahira”, also durch den Schicksalsgott Ahiris Gezeichnete. Octaris hat vorausgesehen, dass Revyn den Untergang eines Volkes bewirken wird und dass er die Tochter eines Königs lieben wird. Ungewollt wird er zum Spielball der Mächte und versucht verzweifelt, das Richtige zu tun, ohne noch mehr Schuld auf sich zu laden. Doch irgendwann gerät die ganze fatale Konstellation aus Ängsten, Schuld, falschen Hoffnungen, Liebe und Hass ins Wanken und mündet in einer Katastrophe…
Vom Thema her eigentlich klassische Fantasy, hebt sich “Das Drachentor” doch aus der Masse ab. Es geht hier nicht um eine “Queste” mit strahlenden Helden und finsteren Schurken. Die vier Hauptpersonen sind mehr oder minder normale Menschen, die von ihrem Schicksal dazu getrieben werden, eine Welt zu zerstören. Konsequenterweise gibt es auch kein klassisches Happy-End, und die sanfteren Gemüter unter den Lesern sollten ein paar Taschentücher bereithalten… Aber keine Sorge: das Buch ist weit entfernt davon, im Kitsch zu enden.
Der Erzählstil ist eingängig und überzeugend, die Hauptpersonen in sich schlüssig. Die Figur von Yelanah fällt gegen die anderen drei ein wenig ab, was die “Tiefe” der Darstellung angeht. Die übrigen Personen könnten ein wenig durchgängiger gezeichnet sein; viele sind zwar gut getroffen, tauchen aber nur als Schlaglichter auf und spielen nicht wirklich eine echte Rolle. Die vom Ansatz her neue Story macht das aber ohne weiteres wett.
Kein neuer Tolkien, aber allemal lesenswert.


