Larry Niven / Jerry Pournelle: Der Splitter im Auge Gottes
20. Okt 2008 von drwatson32
Space Opera

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Irgendwann, in ferner Zukunft: Mit Hilfe des Alderson-Antriebs, einer Art Raumsprung zwischen geeigneten Sternsystemen, hat sich die Menschheit über die Galaxis verbreitet. Andere intelligente Wesen hat man jedoch nie gefunden.
Doch plötzlich beobachtet man eine Raumsonde, die sich mit Hilfe eines Lichtsegel-Antriebs durch den Normalraum der Welt Neukaledonien nähert. Sie stammt offenbar aus einem System in der Nähe des Kohlensack-Nebels, das allgemein “der Splitter im Auge Gottes” genannt wird – aufgrund des einmaligen Anblickes, welcher dieser Nebel von Neukaledonien aus bietet. Die Sonde wird aufgebracht, wobei jedoch durch einen Unfall alle Insassen ums Leben kommen. Diese Insassen sind offensichtlich nicht menschlich. Was wird dies für das Imperium der Menschheit bedeuten? Eine Expedition wird zum Splitter ausgesandt, die Kommunikation mit den “Splits” wird aufgenommen, und obwohl zunächst alles viel besser abläuft als man sich denken könnte, sind die Splits noch viel fremdartiger als jeder sich das vorstellen kann …
Niven und Pournelle haben eine ganze Reihe von Science Fiction-Romanen gemeinsam veröffentlicht. “Der Splitter im Auge Gottes” war 1974 der erste davon und ist mittlerweile ein Klassiker. Die Welt dieses Romans ist imperialistisch aufgebaut, mit einer starken Militärtradition. Sie erinnert politisch ein wenig an das britische Empire. Eine wohlmeinende Aristokratie, zusammengesetzt aus verschiedenen Facetten der angelsächsischen und russischen Kultur, herrscht unter einem Imperator über die Menschenwelten. Sezessionsbestrebungen von Rebellen werden bekämpft, weil in der Vergangenheit ein schrecklicher Konflikt die interstellaren Reisen beinahe zum Erliegen gebracht haben, was das Ende der Menschheit bedeutet hätte. Frauen spielen im politischen Geschäft und an den Schaltstellen der Macht eine mehr als untergeordnete Rolle, da nach diesem Konflikt die wenigen überlebenden Frauen als Garant für das Überleben der Menschheit sher behütet wurden. Handelsherren stellen eine zweite, konkurrierende Machthierarchie neben der politisch-militärischen dar. Die Auseinandersetzung mit den Fremden – und fremdartig sind die Splits wahrhaftig! – führt die Gesellschaft jedoch an ihr Limit, und am Ende wird sie durch die “äußere Bedrohung” geeint.
Die Art der Darstellung der Splits als fremdartige Rasse ist relativ neu – in einer Zeit, als der Film “Star Wars” noch nicht gedreht war, machten Niven und Pournelle sich bereits Gedanken darum, wie sich ökologische und evolutionäre Bedingungen auf Gesellschaftsstrukturen auswirken können – und umgekehrt, wenn diese nur lange genug vorherrschen. Das soll den Roman nicht etwa zu einem sozialkritischen Event machen – weit entfernt davon! Aber es ist doch einmal etwas anders als das übliche Feuerwerk der Raumschlachten.
Spannend ist es auf jeden Fall. Der Bogen ist weit gespannt und von vielen recht lebendigen Gestalten bevölkert. Gegen Ende hin wird es geradezu atemberaubend, obwohl die kritischsten – und spannendsten! – Szenen am Konferenztisch stattfinden. Ließe sich sicher auch gut verfilmen …
Ein Buch, welches ich immer mal wieder hervorhole, wenn ich sonst gerade nichts anderes da habe.
Übrigens habe ich hier einen anderen Roman beschrieben, dessen Story diesem erschreckend ähnlich ist, ohne auch nur annähernd seine Qualitäten zu erreichen.