Philip Kerr: Im Sog der dunklen Mächte
28. Apr 2008 von drwatson32
Krimi im Stil der “hardboiled”-Romane Chandlers

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Bernie Gunther, ein von den Frauen enttäuschter Einzelgänger, betreibt mit seinem Partner eine kleine Detektei. Bernie bekommt einen Kunden – eine reiche alte Dame wird mit den Briefen erpresst, den ihr Sohn an seinen (!) Liebhaber geschrieben hat. Außerdem bekommt Bernie eine unmissverständliche, wenn auch anonyme Aufforderung zu einem nächtlichen Treffen mit einem Informanten. Bis hierher könnte das alles in Los Angeles der 50′er Jahre spielen – aber nein: es ist 1938, und der Ort heißt Berlin, kurz vor Kriegsbeginn (was die Hauptfiguren nur ahnen, aber nicht wissen können).
Bernie Gunther wird von Heydrich persönlich zur Kripo zwangsrekrutiert, und das nicht ohne Grund. Auf den Straßen Berlins treibt ein Wahnsinniger sein Unwesen (o.k., nicht nur einer…), der junge Mädchen entführt und ermordet. Unterschiedliche Fraktionen der Nazis treiben ein undurchsichtiges Spiel mit diesem Fall. Und während Gunther unter widrigen Umständen ermittelt, wird sein Partner bei der Verfolgung eines Verdächtigen aus dem ersten Fall ermordet. Nun hat Gunther einen besonderen Ansporn – denn die beiden Fälle scheinen verbunden zu sein. Sollte etwa gar kein Wahnsinniger dahinter stecken? Aber wer würde so abscheuliche Verbrechen aus Berechnung begehen? Der Leser ahnt die Antwort bereits… aber bei allem Einsatz kann Gunther am Ende die Herrschaft des Schreckens nicht verhindern.
Gunther, die Hauptfigur, ist ein würdiger Nachfolger (oder Vorgänger?) Philip Marlowes, Raymond Chandlers Lieblingsdetektiv. Knurrig, wortkarg, respektlos gegenüber den Autoritäten, einem guten Schluck nicht abgeneigt und trotzdem der eigentliche Moralist in einer schmutzigen Welt. So ein Charakter lebt natürlich unter den Nazis recht gefährlich. Die sind übrigens auch gut getroffen. Von den säuischen Lokalgrößen, die ihre Macht skrupellos ausleben, über die kleinen Polizeibeamten, die sich aufspielen wollen, bis hin zu den bekannten Figuren wie Heydrich und Himmler sind sie alle ziemlich glaubwürdig und darum erst recht abstoßend gezeichnet.
Philip Kerr hat wieder einmal demonstriert, dass er die unterschiedlichsten Genre beherrscht. Vom Science Fiction (siehe “Der zweite Engel”) über die historischen Romane (“Newtons Schatten”) bis hin zum Krimi sind sie alle lesenswert, und jeder trägt trotz der unterschiedlichen Form eine ganz charakteristische Handschrift. (Diesen Roman habe ich ebenfalls als “Historischen Roman” eingruppiert, weil der historische Hintergrund eine ganz wesentliche Rolle spielt, nicht etwa, weil die Handlung so weit in der Vergangenheit liegt.)
Über den deutschen Detektiv Gunther gibt es übrigens noch mehr Bücher, die vor und nach dem zweiten Weltkrieg spielen. Darüber wird an dieser Stelle noch zu reden sein….


[...] Deutschen” äußerst nachvollziehbar dargestellt. Gunther, der uns schon im Krimi “Im Sog der dunklen Mächte” begegnet ist, könnte auch weiterhin als Stellvertreter Philip Marlowes durchgehen – außer [...]
Habe die komplette Berlin-Triologie gerade beendet. Liesst sich sehr gut und ist spannend.
Nur schade, dass hier schlampig recherchiert wurde. Die im Buch erwähnten U-Bahnhöfe (Handlung spielt 1938!!!) sind erst 1958 bzw. 1962 eröffnet worden. Dafür gibts Punktabzug!!!