Sergej Lukianenko: Sternenspiel
31. Jan 2009 von drwatson32
Ersten Band des Science Fiction-Zweiteilers des russischen Erfolgs-Autors

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Die Menschen habe das Reisen mit Überlichtgeschwindigkeit entdeckt – nur um von den sogenannten “starken Rassen” der Galaxis sofort in eine bestimmte Rolle verwiesen zu werden: als “Fuhrleute” sollen sie die Waren des interstellaren Handels befördern, denn nur die Menschen können den Schock des Sprungs aushalten. Anderen Rassen erging es ähnlich: jede wird entsprechend ihrer Fähigkeit für einen bestimmten Zweck eingesetzt.
Pjotr Chrumov ist so ein junger Pilot. Als er aber auf einem ganz normalen Transportflug zur Erde einen blinden Passagier an Bord entdeckt, ahnt er noch nicht einmal, wie das alles enden wird. Das echsenähnliche Wesen verlangt von ihm, ausgerechnet zu seinem Großvater Andrej gebracht zu werden. Der ist ein bekannter Xenopsychologe und Kritiker der gegebenen Zustände. Doch damit Pjotr seinen Gast durch die Kontrolle am Raumhafen bringen kann, sind ein paar haarsträubende Manöver nötig – die in der Landung der Raumfähre auf einer Autobahn gipfeln. Zuhause angekommen, läuft die Katastrophe munter weiter: offenbar ist Großväterchen Andrej in eine intergalaktische Verschwörung verstrickt, das Echsenwesen deutet Ereignisse an, die die Vernichtung der Menschheit zur Folge haben könnten, und Hals über Kopf steuert Pjotr ein gekapertes Raumschiff quer durch die Galaxis, seinen Großvater, dessen Assistentin, den blinden Passagier und einen weiteren Piloten an Bord, der offenbar Mitglied des militärischen Geheimdienstes ist.
Am Zielort angekommen, treffen sie auf eine Raumschiff-Flotte der Alari, einer weiteren “schwachen” Rasse, die die militärischen Angelegenheiten der “starken” erledigen. Die Schiffe sind zum Teil schwer beschädigt – bei der Auseinandersetzung mit einem kleinen Einmann-Schiff unbekannter Bauart, das offenbar von einem Menschen gesteuert wurde – oder zumindest von einem Wesen, welches den Menschen bis auf die Ebene des genetischen Codes gleicht. Da entschließt Pjotr sich für einen verzweifelten Einsatz…
Sergej Lukianenko wird den meisten als Autor der “Wächter”-Tetralogie, einem Zyklus von modernen Horror/Fantasy-Romanen bekannt sein. Aber auch Science Fiction ist sein Metier. “Sternenspiel” ist aktuell sein letzter in Deutschland erschienene Roman; der zweite Teil “Sternenschatten” soll im August erscheinen. Die Story und die Personen sind insofern typisch für seine Romane, als dass die Hauptperson kein “Held” im klassischen Sinne ist. Seine Protagonisten tun vielmehr das, was sie tun müssen, aus Gründen, die viel mehr mit moralischer Verantwortung zu tun haben als mit Heldentum. Pjotr ist einfach nur zufällig mit den falschen Leuten zusammengekommen. Obwohl – von Zufall kann hier keine Rede sein, wie er selbst irgendwann feststellen muss! Und er handelt, weil ihm einfach keine andere Wahl bleibt. Auch das Motiv der übermächtigen, alles kontrollierenden Herrschenden passt zu Lukianenkos Romanen. Trotzdem ist auch dieses Buch wieder anders als die anderen, und auch die Story mit all ihren moralisch schwierigen Konstellationen hat man so noch nirgendwo gelesen. Nicht dass man hier etwa eine trockene, moralinsaure Abhandlung erwarten müsste – ganz im Gegenteil ist des Erzählfluss (in der ersten Person) flott und mitreißend. Etwa in der Mitte des Buches erfolgt scheinbar ein Bruch in der Perspektive – nur wer genau aufgepasst hat, versteht auf Anhieb, was hier vor sich geht. Ich will hier die Auflösung nicht verraten… man kommt schon noch früh genug dahinter.
Untypisch ist, dass die Story des ersten Bandes nicht in sich abgeschlossen ist. Waren die früheren Romane normalerweise auch einzeln zu lesen, hat man hier einen richtigen “Cliffhanger”. Ich kann’s kaum erwarten, den zweiten Teil zu lesen…


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