Sergej Lukianenko: Weltengänger
17. Apr 2008 von drwatson32
Skurrile Science Fiction aus Russland

Dieses Produkt bei
Amazon.de ansehen
Kirill Maximov ist Anfang 30, Single, lebt in Moskau,… ein sympathischer, aber etwas farbloser Typ vielleicht. Nur sein Hund ist ihm wirklich wichtig.
Als er eines Abends nach Hause kommt, findet er in seiner Wohnung eine ihm völlig fremde Frau vor, die behauptet, seit Jahren dort zu wohnen. Nicht nur das: die Wohnung ist komplett anders möbliert, die Innenausstattung völlig verändert. Seine Nachbarn haben Probleme, ihn zu erkennen. Und während die Papiere seiner “Einquartierung” völlig in Ordnung sind, lassen sich weder Kirills Besitzansprüche auf die Wohnung auffinden, noch scheint er in irgendwelchen offiziellen Registern aufzutauchen. Selbst sein Hund knurrt ihn an…
Nur Kotja, sein bester Freund, scheint sich notdürftig zu erinnern – ausgelöst durch die Gespächsnotizen, die Kotja sich ständig macht. Nach und nach wird Kirills Existenz ausgelöscht. Als er schließlich völlig am Ende auf der Straße steht, erhält er eine mysteriöse Nachricht, die ihn zu einem alten Wasserturm leitet. Dort richtet er sich ein – oder vielmehr, der Turm richtet sich für ihn ein.
Der Turm hat es in sich: jeden Tag öffnet sich eine andere seiner 5 Türen, und jede Tür führt in eine andere Welt, die unserer mehr oder minder ähnelt. Auch Kirill verändert sich: seine Kräfte und Fähigkeiten nehmen enorm zu. Ob das mit seinem auf ebenso mysteriöse Weise erhaltenen Job als “Zöllner” zwischen den Welten zusammenhängt? Nur langsam erfährt Kirill die Hintergründe seiner neuen Existenz. Anscheinend gibt es noch mehr Leute wie ihn… Und nicht jeder, den er trifft, ist freundlich gesinnt… Doch das Intrigenspiel um die Weltengänger hat gerade erst begonnen.
Science Fiction ist vielleicht nicht der richtige Begriff für diesen Roman, da er nicht auf wissenschaftlichen Hintergründen aufbaut. Das Konzept der Parallelwelten stammt aber noch am ehesten aus diesem Genre. Lukianenko gelingt es auch hier, stilsicher und spannend eine recht hintergründige Geschichte zu erzählen, die den Leser zeitweise in mindestens ebenso große Verwirrung stürzt wie seine Hauptperson. Die Ich-Perspektive trägt sicher dazu bei, die Identifikation mit dieser für den Leser komplett zu machen. Bis man begriffen hat, welches Spiel gespielt wird, hat man das Buch schon fast durch – und der Schluss ist eine echte Überraschung. Ich habe es praktisch an einem Stück durchgelesen (ok, ich habe den Nachmittag im Zug verbracht und den ganzen Abend weitergelesen – trotzdem ist es mir schon lange nicht mehr gelungen, rund 580 Seiten an einem Tag zu verschlingen).
Ich möchte das Buch eigentlich weder politisch noch gesellschaftskritisch nennen – das hat immer so einen staubtrockenen Geruch. Aber das Thema rührt doch an ziemlich zentrale Fragen von Macht, Machtausübung und Widerstand. Leider bleiben am Schluss doch noch einige Fragen offen – aber gerade lese ich, dass noch in diesem Jahr der zweite Teil auf Deutsch erscheinen soll: “Weltenträumer”. 
Dieses Produkt bei
Amazon.de ansehen Laut Wikipedia besteht diese Reihe aber nur aus zwei Bänden und nicht wie die mindestens ebenso geniale “Wächter”-Serie aus vieren…
Die Idee, an den Durchgängen zwischen den Welten einen Zöllner einzusetzen, findet sich übrigens auch im Roman “Spektrum” des gleichen Autors wieder. Für mich war Lukianenko die Entdeckung der letzten Jahre… hoffentlich gibt’s noch viele viele Bücher von ihm.


[...] Weltenträumer: Roman (Amazon-Link) Es handelt sich hier um die Fortsetzung von “Weltengänger” und erscheint leider erst am 1. August… wird also wohl nicht im Reisekoffer [...]