Walter Moers: Der Schrecksenmeister
27. Dez 2007 von drwatson32
Kulinarisches Märchen oder zamonische Saurierdichtung?

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Echo, das talentierte Krätzchen, hat in höchster Not einen teuflischen Vertrag mit Succubius Eißpin, dem Schrecksenmeister von Sledwaya, geschlossen. Der gibt dem Schrecksenmeister das Recht auf Echos Fett – denn für irgendeine alchemistische Untat benötigt er ausgerechnet das Fett eines Krätzchens… Was ein Krätzchen ist? Nun, es unterscheidet sich nicht sehr von einem Kätzchen, außer, dass es zwei Lebern besitzt und mit jedem Lebewesen in seiner eigenen Sprache spricht. Während er von Eißpin nun (nicht ganz uneigennützig, hehe!) mit den auserlesendsten kulinarischen Genüssen traktiert wird, versucht Echo, in den ihm verbleibenden 30 Tagen einen Ausweg zu finden. Hilfe bekommt er von Fjodor F. Fjodor, dem einäugigen Schuhu, dem Gekochten Gespenst und Izanuela Anazazi, der letzten Schreckse Sledwayas.
Aber bis das Abenteuer zu Ende ist, spielen noch mehr Exemplare der zamonischen Zoologie eine Rolle: angefangen bei den Ledermäusen über die Roggenmuhme bis hin zum grässlichsten Raubtier Zamoniens, der Königin der Furcht: der Schneeweißen Witwe…
Walter Moers hat seiner zamonischen Bibliothek einen weiteren Band hinzugefügt: das erste kulinarische Märchen von Zamonien, geschreiben von Gofid Letterkerl, nacherzählt von Hildegunst von Mythenmetz und schließlich übersetzt von ihm selbst. Für diejenigen, denen der Kontinent Zamonien noch kein Begriff ist, ist dieser Band als Einstieg eher ungeeignet, da sich allerhand Anspielungen auf die bereits veröffentlichten Bände finden. Die Story ist zwar eigenständig, aber man hat halt einfach mehr davon, wenn man zumindest ![]()
Dieses Produkt bei
Amazon.de ansehen“Die Stadt der träumenden Bücher” oder “Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär” kennt. Spannend und unterhaltsam ist das Buch auf jeden Fall, auch wenn es nicht ganz die Originalität der anderen beiden genannten Bände erreicht. Für Moers-Fans ein Muß!
Ach ja: wer Käpt’n Blaubär von den kindertauglichen Fernsehspots kennt, sollte aufpassen. Die zamonische Literatur ist nicht für (kleine) Kinder gedacht.



OK, Moers’ Bücher strotzen nur so von Anagrammen und Anspielungen auf andere Literatur. Ein paar davon löse ich hier auf, den Rest sollte man selbst herausfinden, sonst macht’s keinen Spass.
Gofid Letterkerl ist natürlich ein Anagramm für Gottfried Keller, und Echo, das Krätzchen, ist das Gegenstück zu Spiegel, dem Kätzchen. (siehe das bekannte Märchen). Succubius Eißpin aus Sledwaya ist die Anpassung des Hexenmeisters Herr Pineiß aus Seldwyla. Und wer ist Hildegunst von Mythenmetz? Niemand anders als Walter Moers selbst, würde ich sagen.
Das “Nachwort” unter diesem Gesichtspunkt zu lesen, ist ziemlich lustig….