Buchtipp: Bram Stoker: Dracula
21. Mai 2007 von drwatson32

Dieses Produkt bei
Amazon.de ansehenEin ewiger Klassiker der Vampirgeschichten, oft verfilmt. Aber gerade daher verdient der Roman einmal mehr Beachtung. Die wenigsten Verfilmungen werden nämlich dem Original gerecht – und wer kennt schon noch das Original?
Der Beginn der Geschichte:
Der junge Anwalt Jonathan Harker kommt auf einer Geschäftsreise nach Rumänien in das Schloss der Grafen Dracula, um für diesen die Übersiedlung nach England geschäftlich vorzubereiten. Schon bei der Anreise gibt es die dunkelsten Vorzeichen, auch wenn der Graf zunächst freundlich, ja zuvorkommend ist. Doch als Harker erkennt, was es mit dem Grafen auf sich hat, ist es schon zu spät: er sitzt in der gottverlassenen Burg fest, und der Graf hat sich auf den Weg nach England gemacht….
In England wartet Harkers Verlobte Mina Murray auf seine Rückkehr. Doch auch dort spielen sich dunkle Dinge ab. Das Schiff zum Beispiel, welches im Sturm in den Hafen einläuft, das Steuerrad mit dem Rosenkranz an die Hand der toten Kapitäns gebunden… Der Wolf, welcher als einziges lebendes Wesen vom Schiff an Land entkommt… und irgend etwas bedroht das Leben von Lucy, Minas bester Freundin… Vor diesem Hintergrund spielt sich zudem eine bewegende Liebesgeschichte ab, denn Lucy erhält an einem Tag nicht nur einen, sondern drei Hochzeitsanträge (in der damaligen Zeit sozusagen ein Skandal).
Das Buch wurde 1897 als Briefroman geschrieben – das heißt, als eine Sammlung von Briefen, Tagebucheinträgen Zeitungsausschnitten und sogar Phonographen-Aufzeichnungen. Dies erlaubt es, zwischen den unterschiedlichen Gesichtspunkten der Hauptpersonen hin- und herzuspringen und die Geschichte auf diese Weise nach und nach in mehreren Handlungssträngen zu entwickeln. In diesem Buch ist Bram (Abraham) Stoker ein Meisterstück dieser Erzähltechnik gelungen. Auch atmosphärisch äußerst dicht: Unvergessen z.B. die Szene in der Postkutsche über dem Borgo-Pass (schon mindestens 100 mal verfilmt) oder der irre Renfield mit seinen Fliegen und Spinnen.
Es spricht schon für sich, wenn ein 100 Jahre altes Buch immer noch als Filmvorlage dient. Wer sich ein wenig Gänsehaut gerne gefallen lässt und ein spannendes Buch nicht aus der Hand legen mag; wer sich zudem gerne in eine fantastische Welt aus dem vorletzten Jahrhundert entführen lässt – der wird hier allerbestens bedient.

