Buchtipp: Frank Schätzing: LIMIT
22. Nov 2009 von drwatson32
Science Fiction – Thriller

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Im Jahr 2025 zeichnet sich endlich die Lösung des Energieproblems ab: gewaltige Helium-3-Vorkommen auf dem Mond könnten die Menschheit für die nächsten 700 Jahre mit Energie versorgen. Und ein revolutionäres neues Raumfahrt-Programm könnte den kostengünstigen Abbau ermöglichen. Allerdings: die Technologie ist fest in der Hand eines einzigen Unternehmens, der “Orley Enterprises”. Und obwohl – oder vielleicht gerade weil – Julian Orley offen für Beteiligungen aus allen wirtschaftlichen und politischen Lagern ist, birgt die Situation jede Menge Zündstoff.
Szenenwechsel. In Schanghai wird der Detektiv Owen Jericho von einem Freund gebeten, den Verbleib einer jungen Frau ausfindig zu machen. Chen Yoyo, so heißt die hübsche (aber reichlich anstrengende) junge Dame, hat als Regimekritikerin offenbar ihre Probleme. Aber da scheint noch mehr zu sein.. denn auch die chinesische Regierung würde einer Dissidentin doch keinen Killer hinterherschicken. Welche Informationen hat Yoyo im Internet gefunden, die sie dazu gebracht haben, mitten in der Nacht ihre Wohnung zu verlassen und auf Tauchstation zu gehen?
Und während Jericho seiner Klientin und ihrem Killer hinterherjagt, organisiert Julian Orley eine illustre Reisegesellschaft für eine Spritztour zum Mond. Großindustrielle, Filmsternchen, Investoren, Medienvertreter – aber nicht alles auf dieser Reise läuft so, wie er es erwartet. Seine Tochter Lynn, Organisatorin des Unternehmens, scheint psychisch labil zu sein. Und anscheinend ist jemand in der Gruppe, der ganz andere Ziele verfolgt.
Dem Leser erschließt sich in bester Thriller-Manier natürlich zunächst nicht, wie diese beiden Handlungsstränge zusammengehören. Die Auflösung erfolgt erst nach und nach. Überhaupt beweist Schätzing mit diesem Buch wieder einmal, dass er zur absoluten Spitzenklasse nicht nur der deutschen Thriller-Autoren gehört. Aber wer “Der Schwarm” und “Lautlos” gelesen hat, der weiß das natürlich schon. Ähnlich wie “Der Schwarm” ist auch dieses Buch übrigens wissenschaftlich solide recherchiert. Auch wenn der “Spacelift” sich auf den ersten Blick wie ein schlechter Witz anhört: die theoretischen Grundlagen dafür sind korrekt wiedergegeben, und es existieren tatsächlich NASA-Projekte dazu.
Die politische Seite der Story ist ebenfalls glaubwürdig aufgebaut. Die Interessenlage der großen Energiekonzerne, die wechselnde Rolle der politischen Machtblöcke, Stellvertreterkriege in Drittweltländern – all das kauft man dem Autor ohne weiteres ab. Die Hauptpersonen sind gut durchgezeichnet und wirken echt. Einige Statisten sind ein wenig klischeehaft – Miranda Winter, die Celebrity-Zicke zum Beispiel ist ziemlich “flach” – aber das kann man ohne weiteres verzeihen. “Der Schwarm” neigte dazu, gegen Ende in Superlativen zu ertrinken. Die Gefahr sieht man auch bei diesem Roman heraufziehen, aber zumindest für mich hat Schätzing rechtzeitig “die Kurve gekriegt”.
Absolut filmtauglich – der Roman enthält viele Szenen, die sich auch optisch großartig ins Bild setzen lassen würden! Und wenn “Der Schwarm” schon verfilmt wird, dann besteht ja die Hoffnung, dass wir auch “LIMIT” irgendwann auf der Leinwand bewundern dürfen.


[...] Eine eher kritische bei Liisas Litblog und eine eher positive bei Dr. Watson’s Buchkritik [...]