Buchtipp: Neal Stephenson: Snow Crash
8. Jun 2008 von drwatson32
Cyber-Punk und darüber hinaus

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Hiro Protagonist (sic!) ist freiberuflicher Hacker, Stringer für die Central Intelligence Corporation und – weil man davon ja nicht leben kann – Auslieferator für Cosa Nostra Pizzas irgendwo in der Gegend um Los Angeles. Seit den guten Zeiten von früher, als er einer der ersten im Cyberspace war und mit seinen Freunden die Grundlagen für all das gelegt hat, was heute das Big Business ausmacht, hat sich einiges geändert… aber er hält sich über Wasser. Bei einem danebengegangenen Pizza-Auftrag rettet “Y.T.”, die 14 jährige Skateboard-Kurierin, seinen A… Da erkrankt Da5id, einer seiner Freunde von früher, auf merkwürdige Weise – zeitgleich mit dem Absturz seines Computers durch ein Virus, welches den Bildschirm mit schwarzen und weißen Pixeln übersät – ein “Snow Crash” eben.
Hiro ist gewarnt. Jemand führt einen Feldzug gegen die Hacker, und Hiro und Y.T. stellen sich den Unbekannten entgegen.
Stephensons Roman spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft, die in vielem den Welten eines William Gibson ähnlich ist. Nationalstaaten sind weitgehend bedeutungslos geworden. An ihre Stelle sind Glaubensgemeinschaften und Konzerne getreten. Selbst staatliche Organisationen wie die Armee, die Polizei und das CIA sind kommerzialisiert. Die Menschen, welche es sich leisten können, leben in “closed neighbourhoods”, und die Mafia ist zu einem der erfolgreichsten Unternehmen der Welt geworden.
Vielen Aspekte des Romans sind wunderbare Parallelen auf die Entwicklung des Internet. Kenner werden etliche Stellen zum Schmunzeln finden. Die technische Grundfrage des Ganzen ist aber die Frage, was eigentlich einen Virus ausmacht – und warum es überhaupt Viren gibt. Nicht nur Computerviren, sondern auch die ganz normalen, alltäglichen Grippeerreger und ähnliches. Aber auch virale “Meme”, gedankliche Konstrukte, welche sich selbst erhalten und ihre Träger dazu bringen, sie an andere weiterzugeben, sind gemeint. Ein Beispiel gefällig? Wie wäre es mit Religionen? Oder Buchempfehlungen, wo wir gerade dabei sind?
Dies war das erste Buch Stephensons in meiner Sammlung, und es war geradezu eine Offenbarung. William Gibson’s Neuromancer-Trilogie war eindeutig ein Buch der Achtziger Jahre. Dies hier ist eine Generation weiter, ein gutes Stück realistischer und hat ein deutlich höheres Tempo. Ursprünglich war es “graphic novel”, sozusagen als Comic, geplant. Die Story ist aber wohl doch etwas zu komplex dafür. Trotzdem spürt man, dass viele bildgewaltige Szenen diesem Buch einen besonderen Flair verleihen. Vielleicht finden sich ja die Wachowskis mal dazu bereit, einen Kinofilm daraus zu machen. Das Material wäre auf jeden Fall da….
