Daniel Suarez: Darknet
23. Mai 2011 von drwatson32
Sci-fi-Thriller, Fortsetzung von “Daemon”

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Endlich ist er da: die Fortsetzung des Thrillers “Daemon”.
Nachdem der Daemon im großen Stil Unternehmensnetze unterwandert hat und sich etliche reale Personen zu Daemon-Anhängern erklärt haben, hat am Ende des letzten Bandes Pete Sebeck, der Polizeidetektiv, eine besondere Rolle zugewiesen bekommen. Vor der Öffentlichkeit als Urheber der Daemon-Aktivitäten dargestellt, ist er von Daemon-Agenten vor der Todesstrafe gerettet worden und hat einen besonderen Auftrag erhalten, eine “Quest”: er soll die Zivilisation der Menschheit rechtfertigen – was immer das bedeuten soll.
Die Wortwahl der “Quest” deutet es schon an: der Demon hat die Welt in eine bestimmte Richtung hin verändert. Wer zum Darknet, der Netzwerkverbindung der Daemon-Agenten, gehört, sieht die Welt buchstäblich mit andere Augen. “augmented reality”-Brillen blenden zu jedem Gegenstand, zu jeder Person Informationen ein. Jeder Agent hat einen Beruf (oder eher eine Berufung), einen Level (der sich nach erreichten Zielen bemisst) und einen Rufwert, d.h. den Durchschnitt der Bewertungen der anderen Mitspieler – ähem, Mitbürger. Und die allgegenwärtigen Datennetze haben noch eine andere Auswirkung: Worte können auf einmal tatsächlich etwas bewirken: das Auslösen von Daemon-Subroutinen nämlich, und damit kann man durchaus ganz reale Wirkungen auslösen. Das Zeitalter der Magie scheint bekonnen zu haben – wenn auch mit massiver technischer Unterstützung. Die Welt ist nur ein Spiel? Das war schon der Untertitel des letzten Bandes, der aber hier konsequent umgesetzt wird.
Aber es gibt auch sehr reale Gegenspieler. Ein undurchsichtiges Gemisch aus Regierungsbehörden, privaten “Sicherheits”firmen und internationaler Hochfinanz versucht, das Daemon-Netzwerk zu infiltrieren und für seine eigenen Zwecke zu nutzen. Und dabei schrecken sie vor nichts zurück: Terror, massive militärische Schläge,… man erinnere sich daran, wie der legendäre FBI-Agent Roy Merritt ums Leben kam. Diesem kommt übrigens noch eine ganz besondere Rolle zu – aber mehr verrate ich hier nicht.
Ähnlich wie auch im ersten Teil vermischt Suarez bekannte Technologien, plausible Halbwahrheiten und extrem phantastische Extrapolationen zu etwas, das man bis zu einer bestimmten Grenze beinahe glauben könnte. Wer im Internet unterwegs ist, schon mal ein Online-Game gespielt oder getwittert hat, wird vieles wiedererkennen. Irgendwann (wenn man’s genau nimmt, ziemlich früh…) hebt der Technologiewahn natürlich soweit ab, dass es zu reiner Sci-Fi wird. Aber manches kann man sich durchaus vorstellen. Sind Bewertungen in sozialen Netzen nicht schon an der Tagesordnung? Kann ich mir nicht heute schon auf dem Smartphone Einblendungen zu den Kamerabildern darstellen lassen? Gesichtererkennung, Gebäudeerkennung, die Sonderangebote des abgelichteten Ladens… all das ist heute möglich.
Ich hoffe nur, dass die “Razorbacks” (halbautonome Roboter auf Basis von Motorrädern, mit Schwertklingen bewaffnet) noch ein paar Jahre auf sich warten lassen.
Angeblich soll das Buch bereits bei Paramaount verfilmt werden. Wäre auf jeden Fall ein dankbarer Stoff… Das Buch bekommt von mir nicht ganz so viele Punkte wie der erste Teil, weil es stellenweise doch in ein “special effects”-Feuerwerk abgleitet. Für eine 8/10 hat’s aber allemal gereicht.

